Sammlung nein und ja

VON HILDEGARD AEPLI

 

Nein und Ja

Unkraut und Weizen

wachsen gleichzeitig

 

erst so wird Unterscheidung

das eine vom andern

trennen

 

es bleibt das Ja

 

 

mein Glaubensbekenntnis

ist ein Ja

 

ja

ich bin

 

ja

ich bin

die ich bin

 

ja

ich lasse mich

führen

 

immer wieder

ins Ja

 

 

Freue dich - laetare

 

 

Auf dem tiefsten Grund meiner Seele

wohnst du in deinem Schweigen,

atmest du in deiner Treue,

wirkst du durch deine Kraft,

mein Gott in mir.

 

Im innersten Raum meines Herzens

wachst du in aller Stille,

wartest du in unendlicher Geduld,

bist du wahrhaft gegenwärtig,

mein Gott in mir.

 

Auf dem heiligen Boden in mir,

erscheinst du im dornigen Feuer,

suchst du das Gespräch mit mir,

offenbarst du mir deinen Namen,

mein Gott in mir.

 

Auf meinem inneren Weg

gehst du mit mir,

stehst du zu mir,

führst du mich zum Licht,

verlässt du mich nicht,

mein Gott in mir.

PAUL WEISSMANTEL

 

 

Zum Christkönigstag

 

Ich sehe Jesus nicht als König, wie ihn die Christkönigsstatuen und  –bilder zeigen, dafür aber als wahrhaft königlichen Menschen.

Königlich

-          weil er seiner selbst bewusst war. Nicht überheblich, sondern aus einer tiefen Verbundenheit mit dem Geheimnis des Lebens, Gott. „Ich und der Vater sind eins“ (Joh 10,30)

-          weil er nicht beherrschbar war. Was z.B an der Versuchungsgeschichte gut sichtbar ist. (Lk 4,1-12)

-          weil er überzeugt war von seinem Weg und Auftrag. Jesus hatte die Freiheit, sich gegen Gesetze zu stellen zugunsten eines Menschen.

-          weil er Andere fasziniert hat, ohne zu beherrschen. Er konnte mitfühlen, mitleiden, sich mitfreuen.

-          weil er frei war, sich nicht nach dem urteil anderer zu richten – nicht dauernd zu fragen, was denken wohl die Leute über mich?

Sein Fazit:

Ich zweifle, ob Jesus wollte, dass wir grosse, gekrönte Stauten errichten oder kleine Christköniglein machen, die man an den Kragen stecken kann. Nicht dass wir ihn uns anstecken, sondern das wir uns von ihm anstecken lassen und selber als wahrhaft königliche Menschen leben:

-          überzeugt von uns, unserem Weg und unserem Wert vor Gott,

-          frei vor Autoritäten und Hierarchien,

-          und bereit anderen zum aufrechten Gang zu verhelfen.

Königlich eben, als Schwestern und Brüder Jesu.

BR. PAUL MEIER, PREDIGT ZUM CHRISTKÖNIGSTAG

 

 

Herz der Welt

 

Es war einmal ein weiser Rabbi, zu dem kamen viele Menschen, um ihn  um Rat zu fragen. Sie kamen mit den unterschiedlichsten Problemen und Anliegen zu ihm. Für alle hatte er ein Wort und er hatte für jeden Menschen einen weisen Rat. Er sprach lange zu ihnen, machte ihnen Mut durch seine Worte, stärkte sie für ihren Weg und am Ende segnete er sie.

Mit der Zeit jedoch wurden seine Reden kürzer. Er sprach nur noch wenig, manchmal nur ein einziges Wort – und er segnete sie.

Eines Tages geschah es allerdings, dass er gar nicht mehr sprechen konnte, denn er war stumm geworden. Dennoch kamen alle Leute weiter zu ihm und suchten seine Nähe. Nun, wo er nicht mehr sprechen konnte, hörte er den Menschen, die zu ihm kamen und weinten und klagten, seufzten und stöhnten unter der Last ihres Lebens, einfach zu. Sie vertrauten ihm ihre Sorgen, Probleme und Nöte an. Der weise Rabbi schenkte ihnen sein Ohr und hörte ihnen zu, denn er war ein guter Zuhörer. Am Ende segnete er sie.

 

BR. BEAT PFAMMATTER, HERZ DER WELT

 

Eines Tages geschah es, dass seine Ohren taub wurden. Er konnte nicht mehr hören. Aber auch das hinderte die Menschen nicht daran, weiter zu ihm zu kommen. Der weise Rabbi konnte ihnen weder ein Wort mit auf den Weg geben noch ihnen sein Ohr schenken, dennoch kamen die Menschen  zu ihm. Was konnte der Rabbi nun noch für sie tun? Was hatte er ihnen zu geben? – Er sah die Menschen an mit seinem gütigen, liebevollen Blick – und er segnete sie.

Eines Tages geschah es, dass seine Augen blind wurden. Auch wenn er die Menschen nicht mehr sehen konnte, kamen sie dennoch weiter zu ihm. Und es kamen sogar immer mehr und sie kamen und kamen. Stumm, taub und blind war er nun. Der weise Rabbi konnte zu den Menschen nicht mehr sprechen, ihnen nicht mehr zuhören und sie nicht mehr ansehen – aber er segnete sie.

Eines Tages konnte er auch nicht mehr segnen. Nun wo er doch scheinbar nichts mehr zu geben hatte, ließen die Menschen wohl von ihm ab und suchten nicht mehr seine Nähe? Was hatte der weise Rabbi den Menschen noch zu geben, nun, wo er stumm und taub und blind geworden war und sie nicht einmal mehr segnen konnte? – Die Menschen jedoch kamen und kamen und kamen – und sie legten ihr Ohr an sein Herz.

FREI NACH DOMINIKUS LANKES OCARM

 

 

Heiliger Raum

 

in jedem Menschen gibt es einen heiligen Raum

wir können ihn Seele nennen, oder Identität

wichtig ist: hier wird meine Würde gehütet

in diesem Raum gelten andere Gesetze

es gilt die Gnade und die liebevolle Achtung

und die Aufmerksamkeit richtet sich auf die Sehnsucht

im heiligen Raum tritt mich niemand

niemand kommt über die Schwelle

ich bin hier für mich

der heilige Raum fasziniert und schützt

ich werde still

das Gerede bleibt aussen vor

die vielen Stimmen, die auf mich einreden,

sind verstummt

ich finde Frieden

ich erlebe mich als heil

ich sehe mich neu

erst werde ich still, dann werde ich hörend

ich öffne mein Herz

weil ich auf einmal ahne: Gott wendet sich an mich

ich werde weicher

und erwartungsvoll

vernehme ein anderes Reden

das meine Seele beschenkt

ich will mehr

wenn ich aus meinem Raum komme

beschenke ich das Leben

und weiss: ich kann ihn jederzeit wieder aufsuchen

mich in ihm bergen

ich erlebe: hier liegt meine Stärke

niemand kann mir das nehmen

in mir gibt es einen heiligen Raum

meine Seele, meine Identität

hier wird meine Würde gehütet

Christina Brudereck

 

 

 

      

EDITH KONRAD                     SR. BEATRICE KOHLER

 

 

Am Aschermittwoch hat die 40tägige Fastenzeit begonnen. In der jüdisch-christlichen Tradition steht die Zahl 40 als Mass für Zeiten existenzieller Prüfungen. Sie kann als Besinnungszeit verstanden werden, in der der Mensch sich auf seine eigentliche Bestimmung ausrichten soll.

Das Bild des Kreuzes von Edith Konrad im Kreuzgang des Klosters und das gelbe Tuch, im Gottesdienst vom 2. Fastensonntag als Visualisierung für die Geschehnisse am Berg Tabor (Mk 9,2 - 10) ausgespannt, erinnern daran: Die Zeit des Leidens ist gelöst, wenn die Gegenwart Gottes das Dunkel erhellt und sein Licht aufstrahlen lässt.

 

Mk 9,2 Sechs Tage danach nimmt Jesus den Petrus, den Jakobus und den Johannes mit und führt sie auf einen hohen Berg, sie allein. Da wurde er vor ihren Augen verwandelt ...

 

 

 

Tabor-Spot

 

Licht aus.

Spot an.

Petrus,

Jakobus und Johannes

geht ein Licht auf,

eine Ahnung,

wer der ist,

mit dem sie unterwegs sind.

Licht aus.

Spot an.

Auf dem Weg nach Ostern

zeigen sich Spuren

des Auferstandenen

auch uns.

Licht aus.

Spot an

und Augen auf.

 

MARIE-LOUISE LANGWALD

 

 

 

BR. BEAT, TAU 2007

 

das Kreuz von San Damiano

 

wenn deine Haut

mit allem Zitternden vibriert

und der Schmerz des andern

dein Inneres aufpflügt

 

wenn ein gequälter Blick

dir einen Stich versetzt

und du zu weinen beginnst

mit der seufzenden Kreatur

 

wenn die Einfühlsamkeit

dich mit andern leiden macht

und der Angstschrei des Vogels dich rührt

und das Weinen eines Kindes

 

wenn jedes Kreuz

dein Mitleid weckt

und zu dir spricht

wie der Gekreuzigte selbst

 

ANDREAS KNAPP

 

 

 

 

BR. BEAT, 2007

 

tief

 

in

nen

 

ein lied

 

dein

lied

?

 

meines

?

 

ich horche

 

ROBERT LAX

 

 

 

BR. BEAT, 2007

 

ver

fol

ge

 

den

 

frie

den

 

fried

lich

 

- - -

such

 

ihn

 

zu

erst

 

in

 

dir

 

selbst

 

ROBERT LAX

 

 

 

 

 

BR. BEAT, 2007

 

das

 

ganze

 

pan

or

a

ma

 

des

lebens

 

gegen

stand

 

der

 

be

trach

tung

 

ROBERT LAX

 

 

 

 

BR. BEAT

 

Feuerofen meiner Seele

verbrennst mich

Stück um Stück

aus mir heraus

 

entlässt mich

immer

geistumweht

herzvoll

zu mir zurück

 

HILDEGARD AEPLI

 

 

 

 

BR. BEAT

 

Sich formen lassen

einpendeln

in die eigene Tiefe

und aus diesem Grund

als Lichtgestalt

erstehen

 

HILDEGARD AEPLI

 

 

 

BR. BEAT

 

Angehaucht

von der Zartheit

leiser Pinselhaare

werde

Blume oder Stern

durchlässig

für alle

Hintergründigkeit

 

HILDEGARD AEPLI

 

 

 

BR. BEAT

 

Licht

sitzt nie fest

Licht

passt sich ein

in jede

nur denkbare Lücke

 

HILDEGARD AEPLI

 

 

BR. BEAT

 

innen

wohnende

Wärme

braucht

die Öffnung

nach oben

um sich

zu verströmen

 

HILDEGARD AEPLI

 

 

 

BR. BEAT

 

durch die Nähe

eines andern

ins Leuchten geraten

glühen

aus lauter Freude

an eigener Farbe

 

HILDEGARD AEPLI