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Thomas Morus Huber: In den späten 70er und 80er Jahren kursierte vor allem unter den jüngeren Kapuzinern die Idee, in einem der Klöster ein sogenanntes „Jugendkloster“ einzurichten.

Gemeint war ein Kloster, das vor allem Angebote für junge Männer bereitstellt. Man redete unter den jüngeren Brüdern immer wieder von dieser Idee, aber es kam nie auch nur zu einem Ansatz von Verwirklichung. Anfangs der 90er Jahre beschlossen die Brüder im Regionalrat der Region Deutschschweiz, die Frage endlich zu klären, d.h. entweder tatsächlich ein Projekt zu starten oder es dann als unrealisierbare Idee zu Grabe zu tragen. Der Regionalobere erhielt den Auftrag, mit jedem der Brüder unter sechzig Jahren abzuklären, ob er sich allenfalls in einem derartigen Projekt sehen könnte. Das Ergebnis der Gespräche war eindeutig: etwa sechzig Brüder kamen zum Schluss, dass sie sich aus unterschiedlichsten Gründen nicht in einem solchen Projekt sehen können; die Brüder Josef Haselbach, Paul Mathis und Fridolin Wyss erklärten sich bereit, sich gemeinsam auf das Abenteuer einzulassen.

Der Regionalrat legte drei Rahmenbedingungen fest: Aufnahme von Gästen, neue Integration des Klosters in der Umgebung, Neugestaltung des Gebets und der Liturgie. An welchem Ort dieses Kloster zum Mitleben realisiert werden sollte und wie das Leben in einem solchen Kloster auszusehen hätte, dazu sollten die drei Brüder zuhanden des Regionalrats ein Projekt ausarbeiten. In relativ kurzer Zeit stand das Projekt; und auch der Ort stand fest: Rapperswil.

Nun ging es darum, das „Kloster zum Mitleben“ aufzugleisen. Es war ein glücklicher Zufall oder eine höhere Fügung, dass Br. Josef Haselbach damals das Amt eines Guardians im Kloster Rapperswil ausübte. Denn die drei Brüder mussten mit der bestehenden Klostergemeinschaft in Rapperswil ein Projekt schaffen, zu dem sowohl die bisherige Klostergemeinschaft wie auch die drei Brüder stehen konnten. Die 14köpfige Gemeinschaft hatte einen Altersdurchschnitt von etwa 78 Jahren, nicht wenige von ihnen hatten jahrzehntelang in Tansania als Missionare gewirkt. Eine unerwartete Pille mussten die Brüder der bisherigen Gemeinschaft gleich zu Anfang schlucken: Das Dreibrüderteam erklärte, für sie sei nur ein Projekt denkbar, in dem auch Frauen mitleben können. Die Pille wurde, wie es den Eindruck machte, ohne grössere Mühe geschluckt. Man konnte nun darangehen, dem konkreten Modell des „Mitlebens“ Gestalt zu geben. Erstaunlich schnell fanden sich die älteren und die drei jüngeren Brüder zusammen und das Projekt konnte starten. Jedem der älteren Brüder wurde es freigestellt, beim Projekt mitzumachen oder sich in ein anderes Kloster versetzen zu lassen. Zwei Brüder sahen sich nicht in diesem Projekt, hatten aber keine Mühe, sich in ein anderes Kloster versetzen zu lassen.

Es war ein Glück, dass das „Kloster zum Mitleben“ nicht auf der grünen Wiese und auch nicht in einem leergeräumten Kloster realisiert wurde. Manche der älteren Brüder erwiesen sich als wertvolle „Gastgeber“, wurden zum lebendigen „Kontext“ für die Gäste und haben zu einer menschlichen Atmosphäre im Kloster Rapperswil beigetragen; von ihr lebt ein solches Projekt.

Br. Thomas Morus Huber

 

Zum Jubiläum 25 Jahre „Kloster zum Mitleben“

1991 verwirklichten die Kapuziner in Rapperswil ein offenes Kloster zum Mitleben. Sie erprobten und verwirklichten neue Gebetsformen und öffneten das Kloster auf die Stadt und die Umgebung hin.

Es entstand das offene Kloster zum Mitleben, welches heute unter anderem auch Exerzitien, spirituelles Wandern und Meditationstage sowie geistliche Begleitung anbietet.

Im Rahmen des Jubiläums werden von Februar bis September 2017 unterschiedliche Beiträge von Beteiligten veröffentlicht. …