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Josef Hollenstein, nicht zu bremsen!
Josef Hollenstein, nicht zu bremsen!

„Hopp, Hopp, Guardian!“. So wurde ich beim Sponsorenlauf Ende September 1995 angefeuert. Als Neuling völlig untrainiert suchte ich mein Bestes zu geben. Ich fühlte mich getragen von den Brüdern, den Mitlaufenden und den Zuschauern.

Ähnlich ging es mir in den kommenden neun Jahren. „Hopp, hopp“. Die begonnene Neuausrichtung des Klosters forderte ein zügiges Vorwärtsgehen. Das brachte mich manchmal ins Schwitzen und Keuchen. Ich fühlte mich aber angespornt und getragen von der Brüdergemeinschaft. Gemeinsam bemühten wir uns dem „Kloster zum Mitleben“ Form zu geben: Neue Strukturen für die Gemeinschaft, lebensnahe Gebetsformen, Arbeitsverteilung, Zusammenleben mit den Gästen, Erweiterung der Kerngemeinschaft durch zwei Menzinger Schwestern.

Angespornt und getragen wurde ich auch von den Gästen. Sie suchten einen Ort um aufzuatmen oder sich neu auszurichten. Das bedeutete, die sie im Rahmen ihres Aufenthaltes in die Gemeinschaft einzubinden. Begleitgespräche wurden geführt. Arbeiten mussten verteilt werden. Wie ein Gast am ersten Abend das Tuch zum Abtrocknen in die Hand nahm, war für mich ein Kriterium, für welche Arbeit ich ihn einteilten konnte. Anspruchsvoll waren die Glaubensvertiefungen und die „Wüstentage“.

Die meisten Gäste habe ich als auch im Glauben Suchende erfahren. Sie wollten die innere Tiefe in ihrem Leben entdecken. Oft habe ich gedacht: Das Ringen um Gott ist viel tiefer als meines! Solche Menschen waren mir eine wichtige Stütze, meinen Glauben, mein Ordensleben zu hinterfragen und zu vertiefen. Manche Gäste haben mich unbewusst auf meinem Lebensweg helfend begleitet.

Geschätzt habe ich das neu wachsende Klosterumfeld. Dazu gehörte der Sponsorenlauf, der von Jugendlichen organsiert wurde. Die ökumenisch gestalteten Fastenwochen waren für mich neu. Die meditativen Tänze vermisse ich heute noch. Die sorgfältig gestalteten Gottesdienste besuchten Leute aus dem grösseren Klosterumfeld beidseitig des Zürichsees. Meditationen in der Advents- und Fastenzeit brachten neue Leute zum Kloster. Es machte mir Freude am Aufbau eines neuen franziskanischen Klosterkreises mitzuhelfen. Die Offenheit im Klosterumfeld erleichterte das oft auch aufwändige Gestalten von neuem.

Unvergesslich ist für mich das Jubiläumsjahr 2002: 400 Jahre Kapuzinerkloster und 10 Jahre „Kloster zum Mitleben“. Die verschiedenen Anlässe und die Tage der Offenen Tür gaben einen wertvollen Einblick in die Geschichte und Neuausrichtung des Klosters. Das Jubiläumsjahr in dieser Form war nur möglich, weil Frauen und Männer aus dem Klosterumfeld freiwillig mitgetragen haben.

In lebendiger Erinnerung sind mir die Treffen ehemaliger Gäste. Dabei hat mich beeindruckt, wie Menschen, die als Suchende einige Zeit bei uns verbracht haben, ihren Weg gefunden haben. Überrascht bin ich, wie einzelne Kontakte über Jahre geblieben sind. Die Erfahrungen bei uns haben bleibende Spuren hinterlassen.

Mehrmals während meiner Rapperswiler Jahre war die Bischofskonferenz bei uns zum Abendessen. Den Bischöfen war es bei uns so wohl, dass einige die Erdbeeren zum Dessert im Garten selber pflückten. Das Bild einer Kirche, die froh unterwegs sein kann!

Neun Jahre bin ich im Klösterli gewesen. An keinem Ort war ich so lange. Es waren für mich ge-füllte und er-füllte Jahre. Ich danke allen, die „Hopp, hopp!“ gerufen haben. Ich danke allen, die mitgegangen sind und mitgetragen haben.

Br. Josef Hollenstein, 1995-2004 in Rapperswil

Josef Hollenstein, hartes Training im Vorfeld.

Josef Hollenstein, hartes Training im Vorfeld.

Josef Hollenstein, üben für den Schluss-Spurt.

Josef Hollenstein, üben für den Schluss-Spurt.

Josef Hollenstein, fachsimpeln mit Paul Matthis.

Josef Hollenstein, fachsimpeln mit Paul Matthis.

 

Zum Jubiläum 25 Jahre „Kloster zum Mitleben“

1991 verwirklichten die Kapuziner in Rapperswil ein offenes Kloster zum Mitleben. Sie erprobten und verwirklichten neue Gebetsformen und öffneten das Kloster auf die Stadt und die Umgebung hin.

Es entstand das offene Kloster zum Mitleben, welches heute unter anderem auch Exerzitien, spirituelles Wandern und Meditationstage sowie geistliche Begleitung anbietet.

Im Rahmen des Jubiläums werden von Februar bis September 2017 unterschiedliche Beiträge von Beteiligten veröffentlicht. …