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Auf Grund der franziskanischen Spiritualität – Franziskus war ein Freund der Aussätzigen – gehörte es 2002 zu unserem Credo, sich für benachteiligte Menschen zu engagieren.

Daher galt es, sich einerseits neu im Sozialbereich von Stadt und Region zu integrieren und auch Gäste aufzunehmen, die unter einer Beeinträchtigung litten.

Neue Integration in Stadt und Region

Schon in der Planungsphase war das „Einsiedlerhaus“ als Wohnhaus für Benachteiligte permanent auf der Traktandenliste. Kaum in Rapperswil angekommen, nahm ich mit dem Leiter, Felix Hof, der Regionalen Sozialberatungsstelle in Jona Kontakt auf. Mit ihm schmiedeten wir Pläne, wie das Einsiedlerhaus genutzt werden könnte. Ein Architekt bekam den Auftrag, eine Kostenschätzung für einen Umbau zu erstellen. Die immense Summe, die das Vorhaben gekostet hätte, gab dem Projekt den Todesstoss (ich glaube heute noch, dass wir es für weniger Geld hätten realisieren können). Diesen Traum aufgeben zu müssen, war für mich / uns nicht einfach. Kurz nach diesem Tief folgte ein Hoch, weil die Pfarrei Jona für ihr altes Pfarrhaus eine neue Nutzung suchte. Dort realisierten wir das „Verschnufi“, ein begleitetes Wohnen für Menschen, die sich im Übergang von einer stationären Einrichtung zum selbständigen Wohnen befanden.

Wir selber als Brüder engagierten uns im Sozialbereich. Josef war Mitglied der Sozialbehörde der Stadt Rapperswil. Ich war zuerst im Entlastungsdienst der Pro Senectute und danach im Jugend-Kafi Rapperswil aktiv.

Beim Entlastungsdienst betreute ich jeden Mittwochnachmittag einen Mann, der unter Alzheimer litt. Wir jassten miteinander und assen ein einfaches Zvieri. Im Jugend-Kafi war ich als Freiwilliger im Einsatz. Damals gab es Rivalitäten zwischen den „Italos“, den Jugendlichen aus Ex-Jugoslavien und den Schweizern. Rapp kam als völlig exotische Tanzart auf. Kiffen war bei den Jugendlichen ein zentrales Problemfeld.

Auch die Langzeitgäste mussten in einer sozialen Institution arbeiten. Es war nicht einfach, geeignete „Arbeitsstellen“ zu finden. In Altersheimen und Behindertenheimen konnten sie sich einbringen.

Aufnahme von Gästen

Marco , der soeben den Drogenentzug hinter sich hatte, wollte zur Stabilisierung bei uns mitleben. Nicht alle waren hell begeistert von dieser Anfrage. Da Josef jedoch vorher bereits mit drogenabhängigen Menschen in einer Therapiestation gearbeitet hatte, haben wir es gewagt. Bedingung war, dass er externe fachliche Beratung in Anspruch nahm. Regelmässig fanden Standortgespräche zwischen ihm, der externen Fachbegleitung und mir, seinem internen Begleiter statt. Einmal ist er dann abgestürzt; ein kurzer Ausflug in den Letten. Anscheinend war ich mitschuldig, weil ich ihm in einer Sache – ich weiss nicht mehr, was es genau war – zu viel Druck aufgesetzt hatte. Lange plagte mich ein schlechtes Gewissen. Aber er hat die Kurve wieder gekriegt. Inzwischen weiss ich, dass der Absturz ein Teil der Therapiephase ist.

Auch andere Gäste hatten „ihren Rucksack“ zu tragen. Eine junge Frau hat unter Essstörung gelitten. Mehrere Gäste waren in psychiatrischer Behandlung. Da wir selber keine Fachleute bezüglich dieser Krankheiten waren, haben wir diese Menschen nur unter der Bedingung aufgenommen, dass sie durch eine externe Fachperson eng betreut wurden. Diese Gäste waren eine grosse Bereicherung für uns. Sie konnten sich mit all ihren Fähigkeiten, die sie hatten, in die Gemeinschaft und die Liturgie (siehe Beitrag von Br. Paul) einbringen und wir haben viel gelacht. Selbstverständlich waren auch Frauen und Männer bei uns, denen es psychisch, sozial und finanziell sehr gut ging.

Und noch dies: der Sponsorenlauf

In Zentralafrika tobte in verschiedenen Ländern der grausame Krieg zwischen den Volksgruppen Hutu und Tutsis. Für ein Friedensprojekt in einem dieser Länder haben wir am ersten Sponsorenlauf, der durch den Klostergarten und entlang dem Seeufer ging, ca. 10‘000 Franken gesammelt. Brüder, Gäste und Klosterfreundinnen und Freunde haben an jenem Samstag ihr Bestes gegeben. Am Sonntag gestaltete eine Gruppe afrikanischer Frauen, die von diesem Krieg betroffen waren, den Gottesdienst mit. Das war sehr eindrücklich.

Die ersten drei Jahre offenes Kloster Rapperswil durfte ich mitprägen. Manchmal habe ich hart gekämpft, um meine Ideen durchzuboxen – inzwischen bin ich gelassener und 25 Jahre älter geworden … Rappi hat sich gelohnt!

Friedolin Wyss

 

Erinnerungsbruchstücke vom Dreierteam

Josef Haselbach, Fridolin Wyss und Paul Mathis, wir drei, die 1992 gemeinsam mit dem Projekt Rapperswil starteten, haben uns dem Auftrag, etwas über die Anfänge zu schreiben, gemeinsam gestellt.

Wir trafen uns – ausgerechnet am Fasnachtsmontag – zu einem «Erinnerungstreffen» in Luzern. Alle drei sind wir nicht die grossen Fasnächtler, erinnerten uns aber gern an die Rapperswiler Zeit, da wir als Klostercrew zusammen mit Gästen die Pfarreifasnacht als «Sister Act» und ein andermal mit einer «Päpstinnenwahl» belebten.

Bei unserer Erinnerungssitzung haben wir viel gelacht und haben gestaunt,

wie wir die schwierigen Anfänge meisterten, wie vielfältig unsere Gast-Geschwister waren und wie enthusiastisch und kreativ wir ans Umsetzen der Vorgaben gingen: Aufnahme von Gästen – neue Verankerung in Stadt und Region – und Suchen nach neuen Gebets- und Liturgieformen.

Wir sind so verblieben, dass jeder unter (s)einem besonderen Gesichtswinkel einige Müsterchen erzählt.

 

Zum Jubiläum 25 Jahre „Kloster zum Mitleben“

1991 verwirklichten die Kapuziner in Rapperswil ein offenes Kloster zum Mitleben. Sie erprobten und verwirklichten neue Gebetsformen und öffneten das Kloster auf die Stadt und die Umgebung hin.

Es entstand das offene Kloster zum Mitleben, welches heute unter anderem auch Exerzitien, spirituelles Wandern und Meditationstage sowie geistliche Begleitung anbietet.

Im Rahmen des Jubiläums werden von Februar bis September 2017 unterschiedliche Beiträge von Beteiligten veröffentlicht. …