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offene Tür 2
offene Tür 2

Es war im Dezember 1998. Sr. Lea Summermatter und ich (Sr. Ruth Walker) erinnern uns noch gut. Nach längeren Verhandlungen der beiden Klosterleitungen zogen wir als erste Menzingerschwestern im Kapuzinerkloster ein. So wurde die ursprüngliche Idee, dass im Kloster zum Mitleben auch eine Frauengemeinschaft dabei sein sollte, verwirklicht.

Es war im Advent und das Leitungsteams für den Gästebereich seit Herbst minimal besetzt. Br. Josef war der Guardian und Br. Paul Mathis der Vikar. Dann lebten noch 9 weitere Brüder im Kloster, die in verschiedene andere Aufgaben eingebunden waren. So hiess es für uns gleich mittun. Es war Adventszeit, also Mithilfe bei den morgendlichen Meditationen mit anschliessender Hafersuppe im Klostergang, Liturgiegestaltung und Vorbereitungen für Weihnachten, Begleitung der Gäste und …. waren unsere ersten Einsatzgebiete. Und dabei galt es das Kloster mit den vielen Ecken kennen zu lernen Wo ist …. ??? War eine häufige Frage von uns.

So verflogen die ersten Wochen im Nu und uns „surrte“ manchmal der Kopf, aber wir wuchsen immer mehr in den Betrieb hinein. Schon bald realisierten wir die Unterschiede zu unseren Menzingergemeinschaften. Wir waren Teil der Gemeinschaft, nicht Angestellte oder Arbeitskräfte. So war es wohl erstmalig, dass Menzingerschwestern nicht eine Oberin hatten, sondern einen Guardian. Wir gehörten mit vollem Stimmrecht in allen Hauskapiteln dazu, und wurden einbezogen bei allen Informationen.

In all den Jahren durften wir ein unkompliziertes Miteinander von Brüdern und Schwestern erleben, nicht immer konfliktfrei, aber offen miteinander im Gespräch. Die wöchentlichen Teambesprechungen gaben uns die Möglichkeit zu planen, Schwierigkeiten auszusprechen und nach Lösungen zu suchen. Das war möglich, weil es eine kleine Gemeinschaft war, einer Grossfamilie ähnlich.

Wenn wir uns zurückerinnern, so gab für uns auch manches, was gewöhnungsbedürftig war. So war uns bald klar, dass betr. Ordnung und Sauberkeit nicht die gleichen Massstäbe angelegt werden konnten, wie wir sie aus unseren Menzinger Häusern gewohnt waren. Wir mussten lernen, über manches hinwegschauen und erfahren, dass Sauberkeit ein relativer Begriff ist. Einen besonderen Kampf führte Sr. Lea gegen jede Art von Spinnen, die sich im Kloster scheinbar sehr wohl fühlen.

Blechteller-1

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Bei Hausarbeiten, z.B. Wochenputz an jedem Samstag, war es selbstverständlich, dass alle nach Möglichkeiten mithalfen. Beim Abwaschen waren möglichst alle dabei, und meist stand der Guardian am Abwaschtrog. Gewöhnungsbedürftig war für uns anfänglich das Geschirr aus Chromstahl.Betreffend Geschirr war alles viel einfacher als bei Schwesterngemeinschaften. Ich denke, dass sich viele Schwestern bei uns, bei den grossen weissen „Frühstückschacheli“ an frühere Zeiten erinnern würden.

Sr. Lea und ich wuchsen mehr und mehr in den Betrieb hinein und immer wieder kamen neue Aufgaben auf uns zu, so die Mitarbeit im Klosterkreis und in neuen Liturgien z.B. das neue Angebot von Tanzgottesdiensten. Veränderung in der Kirche mit der neuen Bestuhlung, forderten unsere Kräfte. Ein spezieller Höhepunkt war das Jubiläum 400 Jahre Kapuzinerkloster in Rapperswil.

Blechteller-2

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Rückblickend auf die ersten Jahre hatte sich die Gemeinschaft personell immer wieder verändert. Brüder sind während unserer Zeit gestorben, drei davon gegen 90 Jahre alt und Br. Adrian Schlienger im Jahre 2000 im Alter von 56 Jahren ganz plötzlich

Vier Brüder sind weggezogen, um neue Aufgaben zu übernehmen und es sind neue Brüder zu uns gekommen.

Und im Jahre 2007 hiess es für uns Abschied nehmen, denn neue Aufgaben warteten auf unseren Einsatz. Die Jahre in Rapperswil waren für uns beide eine gesegnete Zeit mit reichen Erfahrungen.

Sr. Lea Summermatter und Sr. Ruth Walker

Sr.-Lea-Summermatter-im-Jahr-2005

Sr.-Lea-Summermatter-im-Jahr-2005

Sr.-Ruth-Walker-im-Jahr-2005

Sr.-Ruth-Walker-im-Jahr-2005

 

Zum Jubiläum 25 Jahre „Kloster zum Mitleben“

1991 verwirklichten die Kapuziner in Rapperswil ein offenes Kloster zum Mitleben. Sie erprobten und verwirklichten neue Gebetsformen und öffneten das Kloster auf die Stadt und die Umgebung hin.

Es entstand das offene Kloster zum Mitleben, welches heute unter anderem auch Exerzitien, spirituelles Wandern und Meditationstage sowie geistliche Begleitung anbietet.

Im Rahmen des Jubiläums werden von Februar bis September 2017 unterschiedliche Beiträge von Beteiligten veröffentlicht. …