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Innerer Chor vorher - mit Chorgestühl
Innerer Chor vorher - mit Chorgestühl

Beim Auftrag, nach neuen Gebets- und Liturgieformen zu suchen, waren wir uns auf jeden Fall schnell einig, dass es ein gemeinsames Anliegen war, unser Beten und Feiern aus den all zu starren Formen zu führen.

Da war uns der riesige, schwarze Altar in der Kapuzinerkirche ein Dorn im Auge. Wir haben in unserer anfänglichen Euphorie überlegt, wie man den Altar auf Schienen setzen könnte. So wäre er je nach Bedürfnis verschiebbar. – Er steht heute noch fest eingemauert am selben Ort. Dafür wurden wir beweglich und haben bald einmal den Freitagabendgottesdienst „umgekehrt“ gefeiert. Die Mitfeiernden kommen in den Chorraum und der Zelebrant steht auf der anderen Seite des Altars.

Auch haben wir bald einmal im Chorraum das Priesterpodest und den klobigen Priestersitz weggeräumt. – Auch ein Ausdruck des veränderten Priesterverständnisses. Nicht alle Priesterbrüder kamen mit den draufgängerischen Veränderungen gut zurecht.

Innerer-Chor-2009

Innerer-Chor-2009

Nicht nur der Altar hinderte unsere Beweglichkeit in der Kirche. 1999 nahmen wir 3 Kirchenbänke im hinteren Teil der Kirche heraus und stellten verschiedene Stuhlmodelle hinein. Mit viel Drängen bekamen wir schliesslich die Erlaubnis der Ordensleitung der Deutschschweiz, alle Kirchenbänke mit Stühlen zu ersetzen. Die Idee war, im Kirchenschiff einen freien Raum zu erhalten, damit Tanzgottesdienste möglich wurden. In einer Grossaktion an einem Mittwochmorgen wurden die Kirchenbänke abgeschraubt und auf den Kirchenvorplatz getragen. Dort habe ich sie gedankenlos mit der Motorsage zersägt, bis sich darüber BesucherInnen der Antoniusgrotte lautstark entrüstet haben. Die restlichen Bänke haben wir dann im Einsiedlerhaus „zwischengelagert“. Am Nachmittag wurden die neuen Stühle angeliefert. „Jetzt haben sie im Chlösterli eine Theaterbestuhlung und knien kann man auch nicht mehr!“ Einige besorgte Gläubige befürchteten den Abfall vom Glauben der Kapuziner.

Am 26. Mai 2000 wurden zum ersten Mal im Kirchenschiff die Stühle zur Seite gestellt und der erste Tanzgottesdienst konnte gefeiert werden. Diese Form von Gottesdiensten hat bis heute „überlebt“.

Hoher-Donnerstag-Abend-2005

Hoher-Donnerstag-Abend-2005

Wir haben uns sehr bemüht, „Laien“ in den Gottesdiensten mit einzubeziehen. Predigtreihen zu verschiedenen Themen wurden organisiert. Oft haben auch Gäste mitgewirkt. An einem Sonntagsgottesdienst hat Fridolin zusammen mit Gästen zum Evangelium ein Theaterstück erarbeitet und dieses im Gottesdienst aufgeführt. Allerdings wurde dies einem Gottesdienstbesucher zu bunt. Er stand auf und rief mitten ins Theaterspiel hinein: „Herr Pater, stellen Sie dieses Theater ab und fahren sie mit dem Gottesdienst weiter!“ Zum Glück war die Vorführung des Theaters sowieso zu Ende, so dass anschliessend die „normalen“ Fürbitten vorgetragen werden konnten.

Allerdings hat dann Thomas Morus geistesgegenwärtig am Ende des Gottesdienstes alle mitfeiernden zu einer Aussprache ins Kloster eingeladen. Ein konstruktives Gespräch wurde möglich.

Adventsmeditation-2016

Adventsmeditation-2016

Da waren auch noch die Adventmeditationen bei Kerzenlicht und viel Stille. Die Erste war im Advent 1992 zum Thema Wüste. Paul hat in der Kirche eine adventliche Wüstenlandschaft aufgebaut, mit staubigem Baumwoll-Mulch. Und in die Wüstenlandschaft wurden die Adventskerzen gestellt. –Eine etwas gewöhnungsbedürftige Adventsdekoration. Die Leute sollten nur merken, dass im Chlösterli nun ein anderer Wind geht. Nach der Meditation gab es im dunklen, kalten Klostergang eine Haferkernsuppe. Das war anscheinend früher in St. Gallen im Advent Brauch und für Josef war das eine wehmütige Kindheitserinnerung. Nur Gregor, unser Junior-Koch, hat die Hafersuppe mit viel Verachtung gekocht. Aber die Suppe im Klostergang gab der Adventszeit das Gewisse etwas!

Das sind nur ein paar „Erinnerungsmüsterli“ an die Anfänge. Vieles durfte aus diesen Anfängen heranwachsen!

Paul Mathis

 

Erinnerungsbruchstücke vom Dreierteam

Josef Haselbach, Fridolin Wyss und Paul Mathis, wir drei, die 1992 gemeinsam mit dem Projekt Rapperswil starteten, haben uns dem Auftrag, etwas über die Anfänge zu schreiben, gemeinsam gestellt.

Wir trafen uns – ausgerechnet am Fasnachtsmontag – zu einem «Erinnerungstreffen» in Luzern. Alle drei sind wir nicht die grossen Fasnächtler, erinnerten uns aber gern an die Rapperswiler Zeit, da wir als Klostercrew zusammen mit Gästen die Pfarreifasnacht als «Sister Act» und ein andermal mit einer «Päpstinnenwahl» belebten.

Bei unserer Erinnerungssitzung haben wir viel gelacht und haben gestaunt,

wie wir die schwierigen Anfänge meisterten, wie vielfältig unsere Gast-Geschwister waren und wie enthusiastisch und kreativ wir ans Umsetzen der Vorgaben gingen: Aufnahme von Gästen – neue Verankerung in Stadt und Region – und Suchen nach neuen Gebets- und Liturgieformen.

Wir sind so verblieben, dass jeder unter (s)einem besonderen Gesichtswinkel einige Müsterchen erzählt.

 

Zum Jubiläum 25 Jahre „Kloster zum Mitleben“

1991 verwirklichten die Kapuziner in Rapperswil ein offenes Kloster zum Mitleben. Sie erprobten und verwirklichten neue Gebetsformen und öffneten das Kloster auf die Stadt und die Umgebung hin.

Es entstand das offene Kloster zum Mitleben, welches heute unter anderem auch Exerzitien, spirituelles Wandern und Meditationstage sowie geistliche Begleitung anbietet.

Im Rahmen des Jubiläums werden von Februar bis September 2017 unterschiedliche Beiträge von Beteiligten veröffentlicht. …