courtesy
Brigitte Steiner vor 25 Jahren
Brigitte Steiner vor 25 Jahren

A Maria Geburt, flüged d’Schwalbe und d’Kapuziner furt

So ‘flogen’ in der ersten Septemberwoche 1992 vier junge Kapuziner, die sich für das Projekt ‘offenes Kloster’ entschieden hatten, nach Rapperswil. Da der Klosterkoch auch schon ‘ausgeflogen’ war, die Küche deshalb verwaist, sprang ich auf Anfrage des Guardians Bruder Josef Haselbach, den ich auf einer Assisireise kennengelernt hatte, als Ersatzköchin ein – das war mein erster Kontakt mit dem Kloster und den Brüdern.

Vom ersten Tag an war das Verhältnis der älteren Brüder (die jungen kamen erst einige Tage später) zu mir unverkrampft, offen, wohlwollend und herzlich. Sie hatten sich entschieden, im Rapperswil zu bleiben und im Projekt mitzumachen, das auch für Frauen offen war. Ich war einfach zwei Monate vor Projektbeginn die erste Frau im Kloster. Weitere Kocheinsätze folgten, wenn der Koch Ferien hatte oder abwesend war. In dieser Zeit wurde mir die Klostergemeinschaft immer vertrauter und sie lernte mich auch immer besser kennen. Nach diesen Einsätzen entstand dann ein ‘Klostertag’ pro Woche, an dem ich die Gebets- und Arbeitszeiten mitmachte wie die Gäste. Erst verrichtete ich verschiedene Arbeiten: die Zimmer der älteren Brüder reinigen, Wäsche besorgen, Pfortendienst, dann kochte ich regelmässig am freien Tag des Kochs.

Gerade das Reinigen der Zimmer der älteren Brüder war ein Vertrauensbeweis. Ich durfte in das ganz persönliche Reich eintreten. Während den Kocheinsätzen hatten wir uns näher kennengelernt. Sie spürten meine Zuwendung. Ich ‘mochte’ sie und ich denke, sie mich auch. Ich kam von draussen und ging auch wieder. So erzählten sie mir manchmal ihre Sorgen oder Wünsche – das blieb bei mir. Ich lernte ihre Vorlieben, ihre Eigenheiten, ihre Stärken und ihre besonderen Anliegen kennen. Im Jubiläumsbuch – 400 Jahre Kloster Rapperswil – nannte mich der Guardian Bruder Josef Hollenstein – eine Beichtmutter .

So hatte Bruder Andreas aus dem Entlebuch den Wunsch, noch einmal sein Heimatdorf Romoos zu besuchen. Ich erfüllte ihm das gerne zu seinem 80. Geburtstag. Mit zwei weiteren Mitbrüdern Bruder Maurin und Bruder Jules fuhr ich mit dem Auto ins Entlebuch. Wir besuchten die Kirche, den Friedhof, assen im Dorfrestaurant auf den Stabellen, die der Vater von Bruder Andreas geschnitzt hatte – welche Freude Sie wollten einen Mitbruder in einem Wallfahrtsort besuchen, der aber nicht daheim war, und auf dem Rückweg im Napfgebiet entdeckten wir einen Köhler, der einen Meiler aufbaute. Wir hielten an, staunten, ein ganz wunderbares Erlebnis.

Aufgrund dieses schönen Tages wiederholten wir einmal im Jahr den Ausflugtag, immer fröhlich, heiter und gemütlich mit ‘meinen’ Kapuzinern.

In Zürich besuchte ich den reformierten Theologiekurs. Da mir die Vermittlung durch Erarbeiten und Diskutieren besser gefiel als das Zuhören im katholischen Kurs. Oft diskutierte ich mit Bruder Jules über verschiedene Themen, und jedesmal sagte er zu mir, besorgt lachend: Aber wird mer dänn nöd no reformiert !

Eines Tages amtete er als Pförtner, ich läutete, aber er hatte keine Lust zu öffnen, sich von der Schanz bis zur Türe auf den Weg zu machen und liess mich vor der Türe stehen. Darauf schrieb ich ihm ein kleines Gedichtmit folgenden zwei letzten Zeilen:

«Und wänn das dänn nomol passiert, wird i dänn würkli reformiert.»

Ja, wir haben viel geredet, gelacht, waren einander wohlwollend verbunden, auch mit den jungen Kapuzinern, nur waren diese sehr in ihre Aufgaben eingebunden und hatten wenig Zeit für Küchenbesuche. Die Küche war auch im Kloster Dreh – und Angelpunkt. Der Weg durch die Küche führte auf die Terrasse und in den Garten, so ergaben sich Begegnungen und Gespräche, kurze oder längere, in der Küche.

Nach acht Jahren Klosterzeit, im Sommer 2000, konnte und wollte ich wieder in meinen Beruf einsteigen. Verbunden mit den Brüdern, die gestorben sind, mit vielen schönen Erinnerungen, freue ich mich auf das 25 Jahr Jubiläum offenes Kloster.

Brigitte Steiner

 

Zum Jubiläum 25 Jahre „Kloster zum Mitleben“

1991 verwirklichten die Kapuziner in Rapperswil ein offenes Kloster zum Mitleben. Sie erprobten und verwirklichten neue Gebetsformen und öffneten das Kloster auf die Stadt und die Umgebung hin.

Es entstand das offene Kloster zum Mitleben, welches heute unter anderem auch Exerzitien, spirituelles Wandern und Meditationstage sowie geistliche Begleitung anbietet.

Im Rahmen des Jubiläums werden von Februar bis September 2017 unterschiedliche Beiträge von Beteiligten veröffentlicht. …