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Pfortentüre geschlossen
Pfortentüre geschlossen

Vor über 10 Jahren stand ich erstmalig vor der Pforte des Kapuzinerklosters. Angemeldet hatte ich mich als Gast zum Mitleben für eine Woche. Erfahrungen mit einem Klosteraufenthalt dieser Art hatte ich bis dahin keine.

Schon auf der stundenlangen Anreise aus Deutschland per Bahn kamen mir zunehmend Zweifel, ob ich eine Woche „hinter Klostermauern“ durchhalten werde. So viel Gebet, so viel Ruhe, so viel Struktur, kann mir das wirklich gut tun? Und dafür hatte ich nun wertvollen Urlaub genommen!

So stand ich mit meinem Gepäck an der Pforte, ziemlich aufgeregt, unsicher und skeptisch. Im Schaukasten des Eingangsbereichs waren Fotos von Mitgliedern der Klostergemeinschaft. Diese Menschen schauten mich freundlich einladend an. Nur Mut: Ich zog an der Glocke, die Tür wurde mir mit einem für meine Ohren unvertrauten Grüezi“ geöffnet und ich wurde zu meinem“ Zimmer im Untergeschoss begleitet. Es war ein sonniger Sommertag, doch hier unten war es eher kühl und düster. Ich zog die Vorhänge zurück und öffnete die Fenster, die in zwei Richtungen des Gartens hinausgingen. Völlig überrascht blickte ich in ein buntes Blumenmeer, das gefühlt bis in mein Zimmer hineinreichte. Welch ein beeindruckender Klostergarten! Ein kleines Paradies! Das hatte ich nicht erwartet. Jetzt war ich neugierig, was ich in den nun folgenden Tagen noch so alles erleben und entdecken würde.

Geschwister und Gäste legen Hand an, z.B. Sr. Rosmarie.

Geschwister und Gäste legen Hand an, z.B. Sr. Rosmarie.

Vieles war ganz neu für mich, insbesondere die regelmäßigen Gebetszeiten mit der mir zunächst viel zu lang erscheinenden Stille. Der Trubel beim Abwasch in der Küche kam meinem Naturell viel näher. Allerdings nach Br. Beats Einführung in die Meditation und nach dem sich anschließenden täglichen Üben“ konnte ich feststellen, dass gerade die Meditation für mich zu einer ganz besonders wertvollen Zeit wurde. Weitere Eindrücke, Begegnungen und Erfahrungen brachten mich in dieser Woche zum Staunen. Die gastfreundliche Aufnahme der Schwestern und Brüder in ihre Gemeinschaft und die für mich bereichernden Gespräche, sei es beim wöchentlichen Bibelgespräch, während der sogenannten Glaubensvertiefung oder auch einfach zwischendurch beim Essen und in der Küche, führten am Ende dieser intensiven Klosterwoche zu dem Entschluss: Ich komme wieder!

Das Abwaschen gab Stimmung.

Das Abwaschen gab Stimmung.

So fahre ich seitdem jährlich für eine Woche nach Rapperswil. Es war jedes Mal ein wenig anders. Im Kloster gab es über die Jahre immer wieder Veränderungen. Mal kam ich zum Mitleben, mal als Teilnehmerin des Spirituellen Wanderns. Auch komme ich ein jedes Mal anders an: Mitunter bringe ich noch viele Gedanken und auch Sorgen aus meinem abwechslungsreichen Alltag mit. Seit einigen Jahren steige ich daher in Zürich aufs Schiff, um die Anreise und damit auch die Zeit zum Abschalten zu verlängern. Wenn ich dann vor der Klosterpforte stehe, ist mir gewiss: Nun kann ich loslassen, den Ballast des Alltags draußen lassen. Es beginnt eine Woche, die mir Ruhe und Geborgenheit gibt. Ich kann einfach da zu sein, den Augenblick wahrnehmen, die kleinen Wunder des Alltags wieder entdecken und bestaunen. Ich habe Zeit und eine für mich gute Umgebung, um über meinen eigenen Lebens- und Glaubensweg zu reflektieren. Ich erlebe wertvolle Begegnungen mit Menschen, intensive Gespräche, viel Fröhlichkeit und auch viele Gelegenheiten zum Lachen! Mit neuer Energie und Lebensfreude verlasse ich nach einer Woche das Kloster: Bereit für meinen Alltag.

Schon jetzt freue ich mich auf meinen nächsten Aufenthalt: Ankommen, die Pfortentür, das inzwischen vertraute Grüezi und………

Pfortentüre offen

Pfortentüre offen

Barbara J.

 

 

Zum Jubiläum 25 Jahre „Kloster zum Mitleben“

1991 verwirklichten die Kapuziner in Rapperswil ein offenes Kloster zum Mitleben. Sie erprobten und verwirklichten neue Gebetsformen und öffneten das Kloster auf die Stadt und die Umgebung hin.

Es entstand das offene Kloster zum Mitleben, welches heute unter anderem auch Exerzitien, spirituelles Wandern und Meditationstage sowie geistliche Begleitung anbietet.

Im Rahmen des Jubiläums werden von Februar bis September 2017 unterschiedliche Beiträge von Beteiligten veröffentlicht. …