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Sr. Ursula bei der Festansprache unter Kursgenossinnen.
Sr. Ursula bei der Festansprache unter Kursgenossinnen.

Beat Lanzendorfer im Toggenburger Tagblatt: Vor 50 Jahren hat die gebürtige Bazenheiderin Ida Raschle die erste Profess abgelegt. Fortan diente sie als Ordensschwester Ursula der Kongregation des Klosters Menzingen. Heute lebt sie im Kloster Rapperswil.

Bazenheid/Rapperswil. Das nicht alltägliche Ereignis «goldene Jubelprofess» feierte die heute 72-Jährige am Sonntag, 4. September, in Menzingen im Kreis ihrer Ordensschwestern und im Beisein ihrer grossen Verwandtschaft. Zugegen waren auch die elf Mitschwestern der Provinz Schweiz, die 1966 zusammen mit Schwester Ursula ihr Gelübde ablegten. Vor 50 Jahren waren es insgesamt 24 junge Frauen aus acht Nationen, die sich für den Lebensweg mit Gott entschieden hatten.

Berufung gefunden

Aufgewachsen ist Ida Raschle als Drittjüngste von neun Kindern an der Wilerstrasse 47 in Bazenheid. Nach der obligatorischen Schulzeit absolvierte sie im Mutterhaus des Klosters Menzingen ein Haushaltlehrjahr. Danach führte sie während zweier Jahre den Haushalt einer fünfköpfigen Familie in Wil. Es war die Zeit, in der sie mit der Zuwendung zu Gott ihre Berufung fand. Nach dem Grundlagenkurs für Heimerzieherinnen und einem Praktikum im Kinderheim Hagedorn folgte ein Sprachaufenthalt im Tessin.

Zurück in Menzingen begann die eineinhalbjährige Ausbildung, an deren Ende sie ihr Gelübde ablegte. Sie verpflichtete sich, fortan in «Armut (einfacher Lebensstil), ehelos und gehorsam» zu leben. Sie war nun offizielles Mitglied des Klosters Menzingen, der Schwestern vom heiligen Kreuz mit franziskanischer Spiritualität. Drei Jahre später wiederholte sie ihr Versprechen. Weitere drei Jahre danach legte sie das ewige Gelübde ab. Beruflich führte ihr erster Weg zurück ins Toggenburg. «Das war Zufall, es hätte auch an einem ganz anderen Ort sein können», erklärt Schwester Ursula im Gespräch. Ihr wurde die Betreuung von 16 Knaben im Lütisburger Kinder Dörfli anvertraut. Sie blieb fünf Jahre, anschliessend übernahm sie für 24 Monate eine Stelle im Kinderheim Menzingen.

Ausbildung in Rorschach

1974 sah sie den Zeitpunkt als gekommen, sich während dreier Jahre an der ostschweizerischen Heimerzieherschule in Rorschach als Sozialpädagogin ausbilden zu lassen. Zwei Orte sollten nach der Ausbildung in der Ostschweiz die kommenden vier Jahrzehnte prägen: Zum einen war es das Kinderheim Wohlen, dessen Schliessung sie 1988 mit Wehmut erfüllte.

Zum anderen ab 1999 ihre Tätigkeit im «Haus der Begegnung» der Ingenbohler Schwestern in Meggen. «Es war eine spannende Zeit, wir begleiteten Menschen in schwierigen Lebenssituationen.» Häufig verspürten sie den Wunsch, sich neu zu orientieren. Die Jahre zwischen den erwähnten Tätigkeiten verbrachte sie an mehreren Orten in der Schweiz.

Heute in Rapperswil

Heute lebt Schwester Ursula in der gemischten Gemeinschaft des Kapuzinerklosters in Rapperswil, die neun Brüder und zwei Schwestern umfasst. «Wir erledigen Aufgaben zum Gesamtwohl, bieten spirituelle Kurse und Meditationswochen an».

Gut zu ihrem Hobby «Wandern» passt auch der Kurs «Spirituelles Wandern», der vom Kloster angeboten wird und dessen Leiterin sie ist. «Wir wandern während einer Woche sternförmig in die Umgebung. Nach rund vierstündigen Wanderungen kehren die Teilnehmenden abends in das Kloster zurück und schlafen hier.»

Querflöte spielen als Ausgleich

Als Ausgleich spielt sie sehr gerne auf der Querflöte. Die abschliessende Frage, ob eine Ordensschwester auch in Pension gehen dürfe, beantwortet Schwester Ursula mit einem Lächeln: «Das wäre sicher möglich, ich fühle mich aber noch immer fit und habe vorerst nicht vor, kürzerzutreten, zudem hat mir Bruder Paul kürzlich versichert, dass sie mich nicht so schnell ziehen lassen.»

Die Menzinger Schwestern

Die Schwestern vom Heiligen Kreuz, besser bekannt unter dem Namen Menzinger Schwestern, sind eine franziskanische Gemeinschaft von Frauen und richten ihr Leben nach dem Evangelium aus. Ihr Mutterhaus ist in Menzingen ZG. An verschiedenen Orten leben sie in Kleingemeinschaften. Die Niederlassungen befinden sich in der Deutschschweiz, im Tessin sowie in der Westschweiz.

Ihr Ziel ist es, Gottes Wirken sichtbar zu machen. Dafür setzen sie sich mit den Kräften, die ihnen zur Verfügung stehen, für die Bewahrung der Schöpfung und für Friede und Gerechtigkeit ein. Als Menzinger Schwestern dienen sie dem Leben, indem sie den christlichen Glauben in der Welt wachhalten möchten. Diesen Weg gehen sie als Gemeinschaft in Ehelosigkeit, Einfachheit und Verfügbarkeit.

Die Regeln des heiligen Franziskus von Assisi (1182 bis 1226) sind die Grundlagen ihrer Lebensform. (pd)

Beat Lanzendorfer im Toggenburger Tagblatt