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Stets am Sonntag vor dem 4. Oktober findet im Kapuzinerkloster ein Festgottesdienst zu Franz von Assisi statt. Besonders an diesem Heiligen orientieren sich die Brüder und Schwestern im Kloster zum Mitleben in Rapperswil.

Musikalisch wurde die Feier von Berner Zitherspielerinnen fein und passend mitgestaltet. Gestellt wurden sie von den Nachbarn des Klosters, Pro Musicante im Haus der Musik. Die Festpredigt wurde mit Tiefe und grosser Ruhe von der Pfarrerin Cindy Gehrig gehalten. Im Folgenden ist diese in schriftlicher Form zu geniessen.

 

Predigt am Franziskusfest 2018 im Kloster Rapperswil

 

In jenen Tagen ergriff Jesus das Wort und sprach: Ich preise dich, Vater, Herr des Himmels und der Erde, dass du dies vor Weisen und Klugen verborgen, es Einfältigen aber offenbart hast. Ja, Vater, so hat es dir gefallen. Alles ist mir übergeben worden von meinem Vater, und niemand kennt den Sohn ausser der Vater, und niemand kennt den Vater ausser der Sohn und der, dem der Sohn es offenbaren will. Kommt zu mir, all ihr Geplagten und Beladenen: Ich will euch erquicken. Nehmt mein Joch auf euch und lernt von mir, denn ich bin sanft und demütig; und ihr werdet Ruhe finden für eure Seele. Denn mein Joch drückt nicht, und meine Last ist leicht. (Matthäus 11, 25-30)

 

 

Liebe Festgemeinde

Seit es Menschen gibt, sind Menschen auf der Suche nach dem, was sie erfüllt. Auf der Suche nach dem Ort, an dem ihre Seele zur Ruhe kommt. Einige Menschen glauben, dass ein Hauskauf dieses Suchen beenden könnte. Und manche stellen dann enttäuscht fest, man kann zwar ein Haus kaufen, aber keine Heimat. Andere sehen sich am Ziel, wenn sie so viel gespart haben, dass sie ein schnelles Auto fahren können, ein teure Uhr am Handgelenk tragen, aber weder Freiheit noch Zeit lässt sich kaufen. Andere suchen die ewige Jugend und hoffen, mit dem Fitnessabo auch gleich Gesundheit und Wohlbefinden zu erwerben. Und wie wir es in der Bibel bei der Samaritanerin am Brunnen bereits nachlesen können, suchen Menschen manchmal Erfüllung bei einem anderen Menschen, gehen von Partnerschaft zu Partnerschaft und werden statt erfüllter immer leerer. Jedes Mal, wenn sich der Wunsch nach Erfüllung, nach dem Ort, an dem die Seele zur Ruhe kommen kann, nicht erfüllt, wird der Lebensrucksack ein bisschen schwerer.

 

„Kommt her zu mir, all ihr Mühseligen und Beladenen: Ich will euch erquicken. Nehmt mein Joch auf euch, denn mein Joch drückt nicht, und meine Last ist leicht.“ Immer wieder werden Menschen angesprochen von jenem Mann, der dies gesagt hat. Finden im Glauben den Ort, der ihren Hunger und Durst nach Leben stillt. „Kommt mit allem zu mir, was euch belastet. Ich will es mit euch teilen, euch frisch gestärkt in euren Alltag zurücklassen.“ Einfach alles abladen können, einfach einmal alles sagen können, wenigstens Gott. Das kann erfrischen. Einem neuen Mut geben, einen stärken, um dann wieder aufgerichtet weitergehen zu können. Aber Moment: Ich werde zwar los, womit ich beladen bin und kriege gleichzeitig ein Joch? Klingt nicht wirklich nach einem Gewinn, nach einer Verbesserung der Situation… Oder doch? Da sagt einer: nimm dieses Joch, es drückt nicht, es ist leicht. Dem Ruf in den Glauben hinein zu folgen, scheint einem im ersten Moment viele Freiheiten zu nehmen. Wer diesem Ruf folgt, ja, bei dem geht das Leben anders weiter…

 

Um das zu sehen, können wir einen Moment lang beim Leben des Mannes verweilen, den wir heute feiern, Franz von Assisi. Er wuchs in einer bürgerlichen Lebenswelt auf, sein Vater bereits ein angesehener Kaufmann, der mit den schönsten Stoffen handelte, wurde auch er ein junger, erfolgreicher Kaufmann mitten in einer neuen Stadtkultur. Er hat in seiner Jugend wohl kein rauschendes Fest mit allem, was dazu gehört, ausgelassen. Er erlebte aber auch Krieg, Gefangenschaft und Krankheit. Über mehrere Jahre geriet er in eine immer tiefere Sinnkrise, die ihn stetig weiter wegführt von seinem privilegierten Leben bis er schliesslich einem Aussätzigen begegnet ist und in der Begegnung mit ihm sei seine Liebe erwacht. Es dauerte dann auch nicht mehr lange und er hat die bürgerliche Welt verlassen, um ein einfaches Leben, wie er es aus dem Evangelium herausgelesen hat, zu führen. Zudem bewegt ihn ein paar Jahre später das Evangelium der Jüngersendung sehr und er findet darin seine Berufung: er ist mit leeren Händen unterwegs, nimmt nichts mit, sucht und bringt Frieden in die Dörfer und Städte. Er handelt schon einige Zeit nicht mehr mit Stoffen, das Pferd als Zeichen des Bürgertums ist nicht mehr bei ihm, doch nun tauscht er auch noch sein Gewand mit einer Kutte eines Wanderbruders aus rauer ungefärbter Wolle mit Kapuze, Strickgürtel, dazu Hosen, Mantel und Sandalen.

 

Auf den ersten Blick, hat Franz von Assisi all seine Sicherheiten und Freiheiten aufgegeben. Ja, er hätte es leichter haben können als reicher Kaufmann. Mit vielen Kleidern, grossen Festen, Sicherheiten, immer genug zu essen, einem grossen Haus. Stattdessen zieht er umher, setzt sich Krankheiten aus, wird wahrscheinlich hie und da frieren, geschwächt sein. Aber dieses Joch, das er da auf sich genommen hat, erfüllt ihn ganz, lässt ihn aufrecht durchs Leben gehen und gibt ihm die vielleicht grösste Freiheit, die es im Leben geben kann: Die Ruhe der Seele, die er in der Einfachheit und im Erkennen von Gott in allem findet. Er muss das Leben nicht mehr suchen und Angst haben, dass er vor lauter Suchen, das Leben verpasst. Er hat in der Schlichtheit und in der Begegnung mit Gott, den er in der ganzen Schöpfung erkennt, das lebendige Leben, ein Leben in Fülle gefunden.

 

Und ich kann mir vorstellen, dass Franz von Assisi gar nicht so sehr gefeiert werden, sondern uns heute an seinem Festtag dazu einladen will, mit ihm auf diesen Christus zu schauen, der sein äusseres Leben vielleicht etwas beschwerlicher gemacht hat, seinem Inneren aber die grösste Freiheit verliehen hat, die es gibt: Ruhe der Seele und ein Leben in Fülle.

Amen

 

Nach dem Gottesdienst fand bei guter Laune das Spaghettifestival statt. Vier Saucen standen zur Auswahl und die meisten Zutaten kamen aus dem Klostergarten. Und, was wohl das Wichtigste und Schönste ist für solche Anlässe, das sind die Begegnungen mit Menschen auf der Suche nach IHM, der uns Schöpferin und Begleiter ist.