courtesy
Schwungvoller Tanzgottesdienst
Schwungvoller Tanzgottesdienst

Obwohl ich als „Züriseemaitli“ aus Wädenswil natürlich um die Kapuziner von Rapperswil gewusst habe – wir fuhren in meiner Kindheit mindestens einmal jährlich mit dem Schiff nach Rapperswil und den Kapuzinerzipfel konnte man auch als Kind kaum übersehen – so lernte ich die Gemeinschaft doch erst „von innen“ kennen, als ich vor fast 20 Jahren angefragt wurde, mit meditativen Kreistänzen in der Fastenwoche und in den neu entstandenen Tanzgottesdiensten mitzuarbeiten.

Fremd und zugleich anziehend – so kann ich rückblickend meine Stimmung beschreiben, wenn ich an meine anfänglichen Aufenthalte im Kloster denke. Fremd waren die Grösse und Weite der Räume und Gänge, die tiefen Temperaturen darin, die Gerüche, die vielen religiösen Zeichen und Gepflogenheiten. Fremd waren mir die damals reine Männergemeinschaft und ihr Umgang miteinander.

Mein Herz gewonnen haben die Kapuziner aber schon bald durch die Offenheit und Ansprechbarkeit mit der sie den Gästen in ihrem Haus begegneten und – Schwestern eingeschlossen! – auch heute noch begegnen. Es scheint mir, dass ihnen jeder Mann und jede Frau willkommen ist. Diese Offenheit in der alltäglichen Begegnung finde ich auch in den Gottesdiensten und Gebetsformen wieder.

Im Besonderen gilt meine Sympathie natürlich den Tanzgottesdiensten. Dass es möglich ist, nun schon seit 17 Jahren einmal im Monat einen gut bis sehr gut besuchten Gottesdienst mit Kreistänzen zu feiern, kann ich mir v.a. dadurch erklären, dass die Brüder und Schwestern die spirituelle Dimension im Tanz erkennen und leben wollen. Auch wenn nicht alle aus der Gemeinschaft aktiv mittun können oder mögen, es freut mich immer sehr, wenn Brüder mit grosser innerer Beteiligung im Gottesdienst als Zuschauer und Mitfeiernde anwesend sind und die nicht alltägliche Gottesdienstform auf diese Weise unterstützen.

Was mich je länger je mehr fasziniert und mein Leben nachhaltig verändert hat, ist der Rhythmus, der die Wochen im Kloster prägt. Regelmässig und zuverlässig wird der Alltag unterbrochen durch die Gebetszeiten. Mit Text, Musik und viel Stille taucht man in eine andere Welt ein, um nachher wieder an die Arbeit zu gehen, bei den Menschen zu sein. Sich im Alltag Zeit zu nehmen für das Gebet und die Meditation, den Sonntag als Sonntag zu feiern – die Erfahrungen dieser festen Zeiten und ihre Kraft sind ein Schatz, den ich (wieder) entdeckt habe.

Auch grossen Eindruck macht mir die Art, wie die Alltagsarbeit im Haus gemeinsam erledigt wird. Wie z.B. nach dem Essen jedeR sein/ihr „Ämtli“ macht, ist für mich, die ich in der Familienzeit damals um jede Mithilfe in der Familie kämpfen musste, eine Offenbarung: So geht es also auch!

Anfänglich hat es mich erstaunt, dass auch die Pausen im Kloster geregelt sind und dass es einen Ort dafür gibt: die Dispens. Manch gemütlichen, angeregten, lustigen Moment habe ich dort erlebt! So sind wir einmal spätabends nach dem „Festessen“ am Ende der Fastenwoche zurück ins Kloster gekommen. Und da stand doch in der Dispens eine Schwarzwäldertorte! Bei jedem Fastenerfahrenen leuchtet hier sofort die rote Lampe auf. Nicht so bei Br. Patrick Schäfli: sofort verdrückte er ein ganzes Stück Torte, trotz Warnung aller anderen, die vernünftigerweise auf die süsse Versuchung verzichteten, und musste – welche Ungerechtigkeit! – nachts nicht mit Bauchweh büssen!

Auch wenn Fastenwochen und anderes für mich der Vergangenheit angehören, ein Besuch im Kloster vermittelt mir immer wieder ein Gefühl von Heimat und Verbundenheit – was noch lange so bleiben möge!

Rita Kälin

 

Zum Jubiläum 25 Jahre „Kloster zum Mitleben“

1991 verwirklichten die Kapuziner in Rapperswil ein offenes Kloster zum Mitleben. Sie erprobten und verwirklichten neue Gebetsformen und öffneten das Kloster auf die Stadt und die Umgebung hin.

Es entstand das offene Kloster zum Mitleben, welches heute unter anderem auch Exerzitien, spirituelles Wandern und Meditationstage sowie geistliche Begleitung anbietet.

Im Rahmen des Jubiläums werden von Februar bis September 2017 unterschiedliche Beiträge von Beteiligten veröffentlicht. …