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Seit ich im 2002 von Br. Paul Mathis die Rapperswiler Homepage übernommen mit einem zweijährigen Unterbruch; von 2010 bis 2012 war ich Guardian im Wesemlin, Luzern betreue ich die Klostersite und war sowohl vom Leben der Geschwister und der Gäste wie auch vom See stets fasziniert.

Das Kloster am See ergab schöne Geschichten. 2010 montierte ich beispielsweise Taucherbrille und Schnorchel und stieg mit Urs und Rita Eberhard, die schon in der ganzen Welt getaucht haben, ins Wasser um das Kloster. Neben vielen Seeschnecken fanden wir sogar zwei Schiffsanker, die wir mit vereinten Kräften ans Ufer zogen. Einer ziert heute mein Pult und erinnert mich an die ersten Christen und Christinnen, die den Anker dem Kreuz vorzogen.

Doch die wahre und oft erzählte Reportergeschichte ist folgende: Sonntagmorgen nach dem Gebet und gemeinsamen Abwaschen, vor dem Gottesdienst. Die Lichtverhältnisse sind wunderbar und es ist sichtig. Endlich möchte ich die Klostersilhouette wassernah ins Bild bringen. Darum nicht von einem Kursschiff aus, sondern von einem Kajak aus. Die Zeit drängt. Den Fotoapparat verpacke ich zur Sicherheit in zwei Tupperware. Er darf ja nicht nass werden und vor allem nicht untergehen, falls etwas nicht zu Denkendes passieren würde. Das Paddel und der Fotoapparat liegen am Ufer, das Kajak ist im Wasser und ich in den Sonntagskleidern stehe dazwischen. Bald schon ist der Gottesdienst. Dann muss der Spuk vorbei sein.

Jetzt also schnell ins Schiff … Okay, das scheint nicht ganz so einfach zu sein. Unruhig tanzt das Kajak und ich versuche mich in die runde Öffnung zu zwängen. Das ist nicht so einfach. Einerseits heisst es das Gleichgewicht zu halten, andererseits mich ins Boot hineinzuzwängen, was nicht beim ersten Versuch gelingt und schon ziemlich viel Zeit in Anspruch nimmt. Da. Endlich. Unsicher balancierend und Böses fürchtend sitzt der Kapuzinerbruder im Schiff.

Nein. Vor der Fotopirsch braucht es noch eine kurze Testfahrt zur noch leeren Badeanstalt und wieder zurück. Das Boot tänzelt ganz freudig auf dem Wasser und Br. Adrian spürt wie der Magen sich langsam hebt. Mein Gott. Dieses Fotoprojekt für die Homepage hat er sich aber ganz anders vorgestellt. Und mit einem Fotoapparat auf den Knien zu paddeln oder sogar noch ein Foto zu schiessen, was heissen würde das Paddel loszulassen und Kamera in der Hand zu nehmen, nein, das ist ein Ding der Unmöglichkeit. Das Projekt wird verschoben und ist bis heute noch nicht umgesetzt.

Doch. Oh weh. Die wahre Geschicht beginnt erst jetzt. Demütig und geknickt, betend dass das Gefährt nicht kippt, balancierend, fährt der Held zum Einstiegsplatz zurück. Okay. Der Sonnenstand müsste vielleicht schon noch etwas besser sein? Nichts wie raus für den Gottesdienst! Br. Adrian legt an, wirft das Paddel an Land und möchte nun aussteigen. Aussteigen? Wie kommt man denn hier heraus. Das Boot tanzt froh auf den Wellen und droht sich zu drehen. Der Seebär kann sich seitwärts schon gar nicht abstützen. Und die Öffnung ist und bleibt eng. Von der Uferpromenade hört man Stimmen und die Menschen schauen gespannt zum Kapitän im Kajak. Was macht der da? Fachdiskussionen.

Der Sportler scheint vertieft und beschäftigt zu sein. «Ja keine Schwäche zeigen», geht ihm durch den Kopf. Warten bis die Spaziergänger weiter sind. «Wie komme ich hier wieder raus?» Keine Chance oben hinaus zu kommen. Zu eng und fest ist der Körper im Boot verklemmt. Nicht einmal die Kniee anzuziehen ist mehr möglich. Wie wollen die denn so noch stossen? Die Zeit drängt. Die Anzahl der Schaulustigen nimmt stetig zu. Vom Kloster rufen die Glocken zum Gottesdienst.

Plan: «Ich warte den Augenblick ab wo es keine Zuschauenden mehr gibt, stosse das Boot vom Ufer, drehe mich und das Boot auf den Kopf und versuche mich unter Wasser aus dem Boot heraus zu stossen.» Die Kniee zittern spielt ja keine Rolle. Sie sind fest verkeilt, wie das Gesäss auch. Jetzt ist niemand mehr da. Es geht schnell. Sehr schnell. Tief Luft holen, fallen lassen, die Haare sind nass. Angst und Aufregung verleihen Riesenkräfte. Es gelingt auf Anhieb. In nassen Sonntagskleidern stehe ich im Wasser. Jetzt aber hopp und noch viel schneller. Boot und Fotoapparat im Tupperware werden hinter die Klostermauer gebracht.

Ich habe wohl noch fünf Minuten. Doch wie komme ich nun in mein Zimmer? Das Wasser tropf von meinem Körper und von Kleidern herunter. Sicher nur noch sehr leicht bekleidet. Wasserspuren im ganzen Haus wären verdächtig. Und dann. Ich höre Antoinette in der Küche arbeiten. Gut sie hat ja einen Mann und Söhne, weiss wie Männer nackt aussehen. Aber einen Kapuziner?! «Antoinette, schau bitte mal weg. Ich muss da durch. Danke.»

Adrian Müller, Guardian Kloster zum Mitleben

 

NostalgikerInnen können die alten Homepages als PDF herunterladen: 200520062007. Es ist einfach darauf hinzuweisen, dass die Links auf den PDFs nicht funktionieren. Viel Spass und schöne Erinnerungen.

 

Zum Jubiläum 25 Jahre „Kloster zum Mitleben“

1991 verwirklichten die Kapuziner in Rapperswil ein offenes Kloster zum Mitleben. Sie erprobten und verwirklichten neue Gebetsformen und öffneten das Kloster auf die Stadt und die Umgebung hin.

Es entstand das offene Kloster zum Mitleben, welches heute unter anderem auch Exerzitien, spirituelles Wandern und Meditationstage sowie geistliche Begleitung anbietet.

Im Rahmen des Jubiläums werden von Februar bis September 2017 unterschiedliche Beiträge von Beteiligten veröffentlicht. …