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Impuls_2.6

Es war an einem Nebeltag im Herbst. Ich hatte frei und nahm mir vor, in den Bergen wandern zu gehen.

Die nette Dame von Meteo Schweiz berichtete, dass oberhalb des Nebelmeeres Sonne und stahlblauer Himmel wartet. So machte ich mich vom nebeligen Tal aufwärts zu einem Bergsee auf den Weg. Ich gewann immer mehr an Höhe und doch wurde der Nebel immer dichter. Von wegen stahlblauer Himmel und Versprechungen sympathischer Fernsehmoderatorinnen! Von weitem hörte ich eine Familie auf mich zukommen. Langsam konnte ich auch einen Jungen entdecken, der auf mich zu rannte. Als er mich erblickte rief er mir zu: «Da oben hat’s kein Nebel mehr!». Aha, dachte ich mir, wieder so ein Schönwetterprophet. Nach etwa 10 Minuten weiteren Fussmarsches kämpfte sich die Sonne jedoch durch die Nebelschwaden. Plötzlich eröffnete sich mir ein Blick auf eine wunderbare Bergwelt umrahmt von einem wolkenlosen Himmel. Was für ein herrlicher Anblick!

Beim Abstieg zurück in die Nebelsuppe kam mir der Junge wieder in den Sinn. Manchmal brauche ich Menschen, die mir von stahlblauem Himmel, Sonne und atemberaubenden Aussichten berichten, wenn ich nicht mehr weiter seh oder mir das grau in grau auf meiner Wegstrecke zu schaffen macht. Auch in dieser Zeit, in der ein kleiner Virus uns Menschen in Atem hält. Auch dieser Nebel wird sich lichten und die Sonne wird sich zeigen.

Br. Kletus Hutter