courtesy

Br. Kletus Hutter von der Rapperswiler Kapuzinergemeinschaft ist für drei Wochen ins Kloster in Frankfurt gegangen. Im Folgenden erzählt er uns von seinen Erlebnissen und Erfahrungen. Hier von ersten Begegnungen mit Bettlern und Heimatlosen.

Aha, ein Schwiiiiizer

Mein erster Arbeitstag im Franziskustreff. Und schon diese Aufgabe: Vor die Türe stehen und die Gäste mit Handschlag begrüssen. „Platziere dich gut,“ meint Gregor, “die Gäste wollen schnell rein in die Wärme kommen.“ Ein bisschen nervös bin ich schon, als ich die Türe öffne. Die Hand den ersten Gästen entgegenstreckend und mit dem reinsten Hochdeutsch, das mir die Lehrerinnen und Lehrer in meiner Schulzeit beibringen wollten, hole ich aus zu einem freundlichen „guten Morgen“. Worauf der erste Gast schon zu mir sagt: „Aha, ein Schwiiiiizer.“ Beim Kaffee servieren spricht mich später ein weiterer Gast an in einem Schweizerdeutsch, das wohl ähnlich klingt, wie wenn ich mein Schriftdeutsch als Hochdeutsch verkaufen möchte. Er war auch schon in der Schweiz, im Tessin, aber mehrheitlich auf der italienischen Seite. Dort sei es billiger. Max Frisch findet er gar nicht so Intellektuell, wie alle sagen. Ich muss ihm zu meiner Schande gestehen, dass ich eigentlich nur Frisch’s Werk „Andorra“ kenne und dieses Buch sehr schätze. Ein interessantes Gespräch entsteht. Kurz vor der Schliessung des Treffs stellt dann ein Herr mit akzentfreiem Schweizerdeutsch fest, dass ich wohl auch aus der Schweiz komme. „Jo, vo Rapperswil“, gebe ich zur Antwort. „I bi vo Züri“ kommt es lachend zurück. Wie klein ist doch die Welt.

Br. Kletus