courtesy

Br. Kletus Hutter von der Rapperswiler Kapuzinergemeinschaft ist für drei Wochen ins Kloster in Frankfurt gegangen. Im Folgenden erzählt er uns von seinen Erlebnissen und Erfahrungen.

Liebfrauen, ein besonderer Ort

Die Klosterkirche Liebfrauen ist ein sehr beliebter Ort. Viele Menschen schätzen diesen Ort der Stille in mitten der Stadt. Verbunden mit einem Gebetsanliegen zünden durchschnittlich 1600 Menschen jeder Altersklasse täglich (!) am Ständer vor der Kirche eine Kerze an. Es finden an Werktagen vier Eucharistiefeiern statt, am Sonntag sind es fünf. Die sehr hohe Besucherzahl der Gottesdienste fasziniert mich immer wieder. „Das entspricht auch in Deutschland keineswegs dem gewöhnlichen Gottesdienstbesuch“, klärt mich Br. Christophorus auf, der Kirchenrektor von Liebfrauen. „Liebfrauen ist ein besonderer Wallfahrtsort inmitten der Stadt“. An diesem Sonntagsgottesdienst um 10.00 Uhr erwartet mich ein “integrativer Gottesdienst“, wie aus dem Schaukasten zu entnehmen ist. Dieser Gottesdienst wird mitgestaltet von einem Chor, der rhythmische, englische Lieder singt, sowie dem Gehörlosenchor. Die Lieder, welche der Chor zum besten gibt, „singt“ der Gehörlosenchor in der Gebärdensprache mit. Es ist faszinierend, den Sängerinnen und Sängern mit den Augen zu lauschen. Alle gesprochenen Worte des Priesters und der Lektoren werden von einem Dolmetscher in die Gebärdensprache übersetzt. Das „Vater unser“ beten dann alle GottesdienstbesucherInnen in der Gebärdensprache miteinander. Ein besonderes Erlebnis.

In den hinteren Reihen der Kirche sind oft auch Obdachlose anzutreffen, auch an diesem Sonntag. „Wenn morgens um 6.00 Uhr die Kirche geöffnet wird, sind einige von ihnen bereits da und gehen in die Kirche um sich aufzuwärmen“, erklärt mir Adam, ein Mitarbeiter von Liebfrauen. Auf der Suche nach Wärme in die Kirche gehen. Dieser Gedanke beschäftigt mich noch lange. Finden Suchende die Wärme, die sie erhoffen in unserer Kirche, in unseren Pfarreien?

Kerzen als helfende Beterinnen.

Aber auch Heilige und Menschen sind solidarisch.