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Nach 23 Jahren der Zusammenarbeit der Menzingerschwestern mit den Kapuzinern im Kloster zum Mitleben verlassen die Schwestern Rapperswil auf Ende August 2021. Sr. Rosmarie Sieber und Sr. Ursula Raschle haben für ihre Mitschwestern je einen Bericht verfasst, den wir hier gerne aufnehmen. Frohe Erinnerungen allen!

 

Eine Ära geht zu Ende (Sr. Rosmarie Sieber)

Fast ein Vierteljahrhundert haben die Kapuziner und die Menzingerschwestern zusammengearbeitet im Projekt „Kloster zum Mitleben“, in Rapperswil.

Das Projekt ist auf 3 Säulen aufgebaut:

  • Aufnahme von Gästen (1-4 Wochen)
  • Neue Gebets-Formen
  • Integration in die Region

Sr. Ruth und Sr. Lea haben die neue franziskanische Gemeinschaftsform „Brüder und Schwestern“ ca. 9 Jahre mitgeprägt. 2007 löste ich die beiden Schwestern ab und lebte zuerst 1 Jahr als einzige Schwester unter 8 Brüdern. Das war für mich am Anfang schon etwas speziell. Der Zufall wollte es noch, dass in der ersten Woche nur 8 Männergäste mitlebten.

Zum Gästeprogramm gehört: Einführung der Gäste, Meditationseinführung, Bibelteilen, Glaubens- und Lebensvertiefung, sowie ein Wüsten/Oasen-Tag. Die Aufgaben und Animation der verschiedenen Angebote verteilt die Gemeinschaft im Wechsel unter sich.

Die Gäste nehmen an allen 4 Gebetszeiten teil, die von uns besonders gestaltet werden mit anschliessender Meditation am Morgen und am Abend, sowie am Mittags- und Nachtgebet.

An verschiedenen Tagen arbeiten die Gäste 1 ½ Stunden mit uns in Küche, beim Bügeln, beim Putzen, beim Verzieren von Kerzen und vielem mehr. Die Gäste sind ganz in die Gemeinschaft integriert. Jeder Gast hat eine Bezugsperson.

Sr.-Rosmarie-Sieber-im-Austausch-mit-Br.-Josef-Hangartner

Eine Woche bekam ich Zeit, mich mit dem Gästeprogramm vertraut zu machen.

Dann hiess es hopp los. Das bedeutete für mich zu Beginn viel Einsatz. Besonders das Erarbeiten der Gebetsblätter und der Glaubensvertiefung hielt mich in Atem. Manchmal schwirrte mir auch der Kopf von all den erzählten Lebensgeschichten. Auch wenn wir 1-2 Gäste zu begleiten hatten, bekamen wir von allen viel mit. Daneben war ich 6 Jahre lang Sakristanin und verantwortlich für die Antonius-Grotte.

In den 14 Jahren, in denen ich hier mit lebe und mitarbeite hat sich viel verändert. Die ersten 6 Jahre waren geprägt von sehr vielen Gästen, dem Umbau der Pforte und vielen Wechseln in der Gemeinschaft. Diese Wechsel hatten auch Einfluss auf die Gästezahlen. Besonders in der ersten Jahreshälfte brachen die Zahlen schleichend ein. Die Zeit zwischen Sommer und Weihnachten war immer noch gut belegt. Neue Angebote wie Exerzitien, Spirituelles Wandern verlagerten die Gästebelegung. Die neue Möglichkein für Männer 3 oder 6 Jahre als „Bruder auf Zeit“ mit zu leben, habe ich zweimal miterlebt.

Zur Tätigkeit gehören auch regelmässige oder sporadische Begleitgespräche für Menschen aus der Umgebung.

Durch den Wegzug verschiedener Brüder und dem Abgang verschiedener Freiwilligen verlagerten sich auch die Aufgaben. Nach 4 Jahren übernahm ich die Koordination der Grundreinigung der Gästezimmer, welche einmal im Jahr mit einer Gruppe Frauen geputzt wurden. Später schlug ich einen Gemeinschaftsputztag vor, an dem wir alle Aussenfenster putzten und den wir jetzt jedes Jahr wiederholen, als gutes Gemeinschaftserlebnis. War früher die Anleitung zur Kerzengestaltung, mit den verschiedenen Aufgaben auf mehrere Schultern verteilt, blieb plötzlich alles an mir hängen. Für einen Bruder, der versetzt wurde, übernahm ich die Bestellung von Brot, Eiern, teilweise von Kaffee und Milch und durch die Pensionierung der Köchin, den Grosseinkauf. Das bedeutet für mich, alles immer im Blick zu haben.

Um keine weitere Köchin anstellen zu müssen, wurde ich vom damaligen Guardian gefragt, ob ich bereit sei, vermehr zu kochen; was ich akzeptierte.

Für einen andern Bruder, der in eine andere Gemeinschaft wechselte, übernahm ich die Leitung des Klosterkreises (das entspricht der früheren franziskanischen Gemeinschaft).

Ein-kleines-Fest-am-Abend,-noch-vor-Corona

Mit der Corona-Pandemie hat sich nochmals vieles verändert. Im Lockdown im Frühling 2020 nahmen wir keine Gäste auf. Gottesdienste und Zusammenkünfte wurden abgesagt. Um weiterhin bei den Menschen präsent zu sein und ihnen Mut zu machen, schrieben wir von der Gemeinschaft abwechslungsweise Texte für die Homepage. Die vielen Rückmeldungen der Leser/Innen zeigen, wie gross das Bedürfnis in dieser schwierigen Zeit war, Hoffnungstexte zu lesen und zu vertiefen. Für jene, die keinen Zugang zur Homepage haben, wurden diese Texte ausgedruckt zum Mitnehmen und zur Kerze gelegt, die während des ganzen Lockdowns in der Kirche brannte. Mitte November hat eine Art zweiter Lockdown begonnen ohne Gäste, weil wir die Abstandsregeln einhalten müssen. Dafür haben wir im Advent vor der Kirche einen grossen Adventskalender gestaltet mit selbstgeschriebenen Texten. Die Bilder dazu suchte unsere Teilzeitsekretärin, eine Hobby-Fotografin. Viele Leute haben das sehr geschätzt. Die Texte wurden auch kopiert zum Mitnehmen, was rege benutzt wurde.

Was ich in all den 14 Jahren sehr geschätzt habe war der unkomplizierte Umgang untereinander. Ebenfalls das Einbezogen-Sein durch die gemeinsamen Planungstage, die Wochensitzungen, sowie das erhalten zusätzliche wichtige Meldungen über Computer ermöglichte es uns, über alles informiert zu sein, mitzudenken und mitzutragen .

In diesen Jahren habe ich sehr viel gelernt und bin dankbar für alle Erfahrungen, die ich sammeln konnte. Obwohl wir ganz in die Gemeinschaft integriert waren, ist es zwischendurch auch schön, mit einer Mitschwester auszutauschen und zusammen zu arbeiten. Ab Herbst 2021 werde ich in der eigenen Gemeinschaft im Mutterhaus Menzingen, verschiedene Dienste übernehmen. Ich bin gespannt und lasse mich überraschen….

Sr. Rosmarie Sieber

Sr.-Urusla-Raschle-im-Gespräch-mit-Br-Kletus-Hutter

Abschied vom Kapuzinerkloster Rapperswil (Sr. Ursula Raschle)

Das Kloster Rapperswil ist ein „Kloster zum Mit-leben.“ Dieses Projekt begann vor 23 Jahren. Seither sind auch Menzinger-Schwestern hier.  Ich kam am Donnerstag, 30. Mai 2013, hier in Rapperswil an. Dann ging alles Schlag auf Schlag: Freitag – Reflexionstag, Samstag – Wandertag mit dem Klosterkreis, Sonntag – Begrüssung im Gottesdienst, Montag – Interview für die Zeitung! Nachher durfte ich mir Zeit lassen zum Einleben, Einrichten und Mitgehen im Alltag. Das Kloster wird auch belebt durch Menschen, die für kürzere oder längere Zeit hier sind. Sie nehmen teil am Tagesrhythmus durch Gebet, Arbeit und Mahlzeit. Jede Person wird von einem Gemeinschaftsmitglied begleitet durch Gespräche. Auch ich durfte schon bald die Aufgabe übernehmen, Gäste zu begleiten, was mich sehr freute. Meine Aufgaben wurden immer vielfältiger und sehr abwechslungsreich. Neben den praktischen Arbeiten wie: Waschen, Putzen, Kochen durfte ich auch Kurse anbieten: spirituelles Wandern, Meditationstage, Einkehrtage, wöchentliche Morgenmeditationen. Alle diese Möglichkeiten freuten mich sehr und wurden auch von der Gemeinschaft mitgetragen.

Von Anfang an fühlte ich mich wohl hier unter den Brüdern und mit Sr. Rosmarie. Aufgewachsen bin ich ja auch mit sieben Brüdern und einer Schwester, wie hier!

Spiritueller-Wandertag-mit-dem-Klosterkreis

Ich habe die Kapuziner-Brüder sehr offen und hilfsbereit erlebt. Mit ihnen und für sie zu arbeiten, machte mir Freude. Besonders schätzen sie gutes Essen, gepflegte Wäsche, Humor und unser Mittun und Da-Sein als Schwestern in der Gemeinschaft.

Der Abschied nach acht Jahren fällt mir nicht leicht. So viele Menschen habe ich kennengelernt durch die Gäste, die Gottesdienstbesucher, durch Begleitgespräche und viele andere Kontakte, auch ausserhalb des Klosters. Das Projekt in dieser Form wird hier im Kloster am 1. August 2021 enden.

2022 beginnt in Rapperswil etwas Neues, das noch im Werden ist. In Absprache mit unsern Obern werden wir das neue Projekt nicht mehr begleiten. Wir sind bereit, neue Aufgaben innerhalb unserer Gemeinschaften zu übernehmen. Mein neuer Posten wird im Marienheim Einsiedeln sein.

Ich bin dankbar, dass ich so lange hier sein durfte. Durch all die Höhen und Tiefen, die das Leben mit sich bringt, spürte ich immer wieder die Kraft von oben. So vertraue ich auch weiter auf Gottes Hilfe und Beistand in der neuen Aufgabe bei und mit unsern Mitschwestern. Ich möchte offen sein, hinhören und mich von innen her leiten lassen. Ich wünsche der Brüder-Gemeinschaft und uns einen guten Weg in die Zukunft.

Sr. Ursula Raschle

Blick-auf-den-Frauenstock.-Hier-hatten-die-Schwestern-ihre-Zimmer.