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Josef-Helg-und-Kletus-Hutter-(rechts)
Josef-Helg-und-Kletus-Hutter-(rechts)

Was diese eine Woche «Kloster zum Mitleben» im Jahre 2007 für Auswirkungen auf mein Leben haben würde, konnte ich damals nicht erahnen. Aber alles schön der Reihe nach.

Bei einem Stellenwechsel hatte ich einen Monat Ferien. Ich wollte diese Zeit sinnvoll nutzen und vereinbarte mit Bruder Paul eine Woche zum Mitleben im Kapuzinerkloster. Ich war gespannt und zugleich neugierig darauf, was auf mich zukommen würde.

Mit dem Zug reiste ich nach Rapperswil. Es war ein heisser Sonntagnachmittag als ich mit meinem Gepäck der Seepromenade entlang zum Kloster spazierte. Schweissüberströmt kam ich an der Klosterpforte an und wurde vom Pförtner Bruder Eckehard herzlich willkommen geheissen. Er zeigte mir mein Zimmer und die Dispens, wo ich meinen Durst löschen konnte. In den folgenden Stunden und Tagen war alles neu für mich. Ich schätzte das Zusammensein mit der Klostergemeinschaft und den anderen Gästen, aber auch die Rückzugsmöglichkeiten ins Zimmer oder in den Garten. Nur zu schnell war diese Woche vorbei und der Abschied stand bevor. Mit vielen neuen Eindrücken und guten Erinnerungen an interessante Begegnungen, trat ich meine Heimreise an. Dass ich mir diese Auszeit im nächsten Jahr wieder gönnen werde, war für mich schon klar.

Mit dem Einverständnis von Herta, meiner Frau, lebte ich in den folgenden Jahren neunmal je für eine Woche im Kloster mit. Mit der Zeit besuchten wir öfters die Sonntagsgottesdienste in der Klosterkirche. Beim anschliessenden Apéro begegneten wir immer wieder unbekannten Menschen und durften interessante Gespräche und Diskussionen führen. Eine freundschaftliche Beziehung zur Klostergemeinschaft entstand.

Durch meine berufliche Tätigkeit als Schreiner / Hauswart konnte ich mein Wissen verschiedentlich einfliessen lassen. So kam es, dass ich während meinen Aufenthalten Spezialaufträge bekam. Die für Wochengäste vorgesehenen Arbeitszeiten reichten öfters nicht aus, also erledige ich diese an den Nachmittagen, was von der Klostergemeinschaft sehr geschätzt wurde.

Seit Februar 2016 bin ich pensioniert. Um dem Übergang vom Arbeitsprozess zur Pensionierung einen Akzent zu setzen, trat ich Ende Februar für drei Monate als Langzeitgast ins Kloster ein. Zusammen mit Bernhard Strobl und Andrea Salzmann renovierten wir die WCs im ersten und zweiten Stock. Es darf als ein gelungenes Werk bezeichnet werden. Der spirituelle / religiöse Teil hatte auch während den Arbeitswochen seinen festen Platz. Das ist ein grosser Unterschied zu meiner früheren Tätigkeit. Seit meinem Langzeitaufenthalt und in nächster Zukunft, werde ich regelmässig im Klösterli arbeiten und gerne mein Wissen und meine Arbeitskraft einbringen.

Ich stellte einen grossen Unterschied zwischen Wochen- und Langzeitgast fest. Als Wochengast ist die Zeit im Flug vorbei und man hat viel Zeit für sich selbst. Als Langzeitgast wurde ich Teil der Klosterfamilie und brachte wie alle andern meine Fähigkeiten ein. Ich sah viele Wochengäste kommen und gehen und stellte fest, wie anspruchsvoll die Gästebegleitung für die Klostergemeinschaft ist. Damit sowohl neue Gäste wie auch «Wiederholungstäter» den herrlichen Ort besuchen können, wird die Klostergemeinschaft auch in Zukunft auf die Mithilfe Aussenstehender angewiesen sein.

Durch die Gastfreundschaft und die Offenheit Neuem gegenüber, fühle ich mich im «Kloster zum Mitleben» immer gut aufgehoben.

Josef Helg

 

Zum Jubiläum 25 Jahre „Kloster zum Mitleben“

1991 verwirklichten die Kapuziner in Rapperswil ein offenes Kloster zum Mitleben. Sie erprobten und verwirklichten neue Gebetsformen und öffneten das Kloster auf die Stadt und die Umgebung hin.

Es entstand das offene Kloster zum Mitleben, welches heute unter anderem auch Exerzitien, spirituelles Wandern und Meditationstage sowie geistliche Begleitung anbietet.

Im Rahmen des Jubiläums werden von Februar bis September 2017 unterschiedliche Beiträge von Beteiligten veröffentlicht. …