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Ein ganzes Jahr Zeit im Kapuzinerkloster: Zeit zum Mitleben und Mitarbeiten in der Klostergemeinschaft aus Kapuzinerbrüdern und Menzinger Schwestern. Viele beneiden mich darum. Warum mache ich das eigentlich?

Um es gleich ganz klar zu sagen: Es ist kein Krisenaufenthalt und ich bin gerne Ordensfrau in meiner Gemeinschaft. Aber ich habe gerade Zeit. Als Noviziatsleiterin der Missionarinnen Christi (sonst in Weilheim bei München) bin ich seit Januar 2017 „arbeitslos“. Derweil hoffe ich auf meine nächste Novizin und nutze – auch weil es meine Gemeinschaft gut findet – die Zwischenzeit für diesen besonderen Einsatz.

Aber warum gerade in Rapperswil?

Eine erste Antwort ist: Ich lebe damit einen alten Traum. Ich träume schon lange von „einem offenen Haus am See für suchende Menschen“. Das macht Sinn für unsere heutige Zeit. Ich habe einen Zug zu suchenden Menschen, bringe berufliche und spirituelle Erfahrungen mit und bin auch praktisch nicht ungeschickt. Und ein Ort am See tut einfach der Seele wohl. Ein Projekt zusammen mit Ordensleuten anderer Gemeinschaften ist zu heutigen Zeiten zukunftsweisend. – Bis jetzt war ich es im Lauf meines Ordenslebens gewohnt, selbst solche Projekte zu initiieren. Aber ich habe entdeckt: Dieses offene Haus gibt es schon seit 25 Jahren! Es läuft sehr gut, die Brüder und Schwestern haben viel Erfahrung und ich kann einfach mit-machen. Ich kannte das Kapuzinerkloster in Rapperswil vom Hörensagen und von einer begeisterten Mitschwester. Im Juli 2016 habe ich dann selbst eine Woche mitgelebt und meine Idee bestätigt gefunden: Es ist wirklich ein guter Ort!

Eine zweite Antwort: Ich kann im Kloster Rapperswil viel lernen: Schweizerdeutsch verstehen (!), franziskanische Spiritualität, Kochen für Viele, Anregungen für Liturgiegestaltung, einen solchen großen Betrieb zu organisieren…. Viele Menschen kennenlernen: Klosterleute und Klosterfreunde und Klostergäste und andere…. Die Schweiz entdecken…. Ich habe viel vor in diesem Jahr.

Eine dritte Antwort: Ich will mich auch sehr gerne einbringen mit dem was ich kann: Dienste übernehmen und die anderen etwas entlasten, die eine oder andere Veranstaltung anbieten und gerne auch Begleitungen. Offen sein und da sein für Gäste. Und mich als Person einbringen natürlich – auch mit meiner ignatianischen Spiritualität.

Und dann gibt es eine weitere Antwort, die ich noch nicht kenne. Ich bin mir sicher, dass ich von Gott auf meinem inneren Weg hierher geführt wurde. Was ich für meinem Lebens- und Glaubensweg im Kapuzinerkloster entdecken und lernen soll, das wird sich erst noch zeigen. Aber ich vertraue darauf, dass diese Zeit gewollt und geführt ist und dass die Erfahrungen mir und anderen zum Segen sein werden.

Schön, dass es das Kloster zum Mitleben gibt! Und danke, dass ihr offen seid für mich und mein Mitleben. Ich freu mich auf die gemeinsame Zeit im „offenen Haus am See für suchende Menschen“.

Sr. Christine Zeis

Missionarinnen Christi, www.missionarinnen-christi.de

 

Zum Jubiläum 25 Jahre „Kloster zum Mitleben“

1991 verwirklichten die Kapuziner in Rapperswil ein offenes Kloster zum Mitleben. Sie erprobten und verwirklichten neue Gebetsformen und öffneten das Kloster auf die Stadt und die Umgebung hin.

Es entstand das offene Kloster zum Mitleben, welches heute unter anderem auch Exerzitien, spirituelles Wandern und Meditationstage sowie geistliche Begleitung anbietet.

Im Rahmen des Jubiläums werden von Februar bis September 2017 unterschiedliche Beiträge von Beteiligten veröffentlicht. …