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Fotos der aktuellen Gemeinschaft von Rapperswil finden sich unter Kontakt, inklusive E-Mail-Angaben.

In Rapperswil wirken seit über 400 Jahren Kapuziner. Wohl kein anderes Kloster in der Schweiz hat in den letzten 19 Jahren eine solch einschneidende Entwicklung durchgemacht wie das Kloster Rapperswil. Das Regionalkapitel der Deutschschweizer Kapuziner gab 1992 der Gemeinschaft von Rapperswil folgenden Auftrag:

1. Aufnahme von Gästen. Das Kloster erhält den Auftrag, im Rahmen des zur Verfügung stehenden Wohn- und Aufenthaltsraumes Gäste aufzunehmen: Männer und Frauen; Junge und Erwachsene, die im Gemeinsamen Leben in der Klostergemeinschaft ein Stück Glaubenserfahrung machen; Menschen, die die Ruhe suchen; Menschen in sozialer Not, denen das Kloster ein Stück Heimat bieten kann.

2. Gebetsformen. Das Kloster erhält den Auftrag, neue und freiere Gebetsformen zu erproben; dies betrifft die Ansetzung der Gottesdienste, die Gebetszeiten, den Stil des Betens, Gebets- und Meditationsangebote an Gäste und Besucher des Klosters und der Klosterkirche.

3. Integration in Stadt und Region. Das Kloster erhält den Auftrag, sich neu in Stadt und Region zu integrieren, neue Schichten anzusprechen und neue Formen franziskanischer Präsenz zu entwickeln. Dieser dreifache Auftrag ist bis heute geblieben. In Gemeinschaft mit einer Menzingerschwester gestalten wir unseren Alltag. Zusammen orientieren wir uns am Evangelium und am Leben des Franz von Assisi. Wir bilden eine lebendige Klostergemeinschaft, die sich bemüht, Raum für Ruhe, Innerlichkeit und Spiritualität zu schaffen. Ausdruck findet unsere Aufgabe in den gemeinschaftlichen Gebetszeiten, den Gottesdiensten und meditativen Feiern im Rhythmus des Tages und des Jahres. Die unterschiedlichen Formen des Innehaltens und die Exerzitien-angebote geben Weg- und Anleitung, um zu den Quellen des Lebens zu finden. Auf vielfältige Weise stehen wir auch im regen Austausch mit den Menschen der näheren und weiteren Umgebung.

Geschichtliches

In den Wirren der Reformation nahm die religions- und staatspolitische Bedeutung von Rapperswil zu. Der mächtige Stand Zürich war bestrebt, seine Position auszubauen und spielte wohl mit dem Gedanken, den katholischen Brückenkopf Rapperswil entweder einzunehmen oder doch zu neutralisieren. Nicht kleiner war das Interesse der katholischen Kantone. Zur Festigung dieses Vorpostens waren seit 1568 Bestrebungen im Gange. Bald nach der Einführung der ersten Kapuziner in Altdorf 1581 erreichte der Ruf von deren erfolgreichem Wirken auch Rapperswil. Von 1596 an liefen die Verhandlungen wegen einer Niederlassung der Kapuziner, aber erst das energische Eingreifen des Nuntius Della Torre führte 1602 zum Baubeschluss.

Aufgabe der Kapuziner war es, durch ihre Wirken nicht nur Rapperswil als Brückenkopf des katholischen Glaubens zu sichern, sondern auch in den umliegenden Bezirken See, Gaster, March und Höfe das religiöse Leben des Volkes zu fördern und zu festigen.

Standort des Klosters. «Die Mönche haben es wieder einmal verstanden, den schönsten Platz in die Hand zu bekommen!“ Dieser Gedanke mag Allee-Spaziergängern gelegentlich durch den Kopf gehen. Bei näherem Hinsehen wird er sich aber als unhistorisch erweisen. Die grundsätzliche Überlegung bei der Gründung unserer Klöster wurde von den Ordenssatzungen so umschrieben: „Ausserhalb der Stadt, aber doch in der Nähe der Stadt.»

Ursprünglich wollte man das Kloster dort bauen, wo heute das Restaurant «Kreuzli», an der Alten Jonastrasse, steht. Im Dezember 1602 wurde der Grundstein gelegt. Die Zürcher jedoch versuchten den Klosterbau zu verhindern. Sie drohten den Rapperswilern mit Wirtschaftsboykott und redeten von Gewaltanwendung. Da man es nicht auf eine Kraftprobe ankommen lassen wollte, wurde die Arbeit eingestellt. Nach langem Verhandeln wies man den Kapuzinern den Platz am Endingerhorn ausserhalb der Stadt zu, für die damaligen Verhältnisse ein wertloser Platz: ein abfallender, mit Gestrüpp bewachsener Nagelfluhbrocken. Ein ganzes Jahr benötigte man, um durch Sprengungen und mühsame Spitzarbeit das Areal als Baugrund herzurichten. Im Frühjahr 1604 konnte mit den Bauarbeiten begonnen werden. Der Schlussstein am Portal der Klosterkirche trägt noch heute die Jahrzahl 1606. – So kamen die Kapuziner an den «schönsten» Platz von Rapperswil.

(Quelle Geschichtliches: Pater Thaddäus Vonarburg, Klösterli Rapperswil, Ein baugeschichtlicher Überblick)