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Der Klosterbibliothekar Br. Paul Meier in seinem Reich. Links der Zettelkasten. Rechts ein erster Blick in die Bibliothek.
Der Klosterbibliothekar Br. Paul Meier in seinem Reich. Links der Zettelkasten. Rechts ein erster Blick in die Bibliothek.

Kapuzinerklöster haben in ihrer Geschichte viele Bücher geschenkt erhalten. Rapperswil ab 1606. Heute hat die Rapperswiler Klosterbibliothek 6 Handschriften und 56 Inkunabeln. Aus dem 16. Jh. stammen 228,  17. Jh. 255,  18. Jh. 318, 19. Jh. 887,  20./21. Jh. 8064 Bücher . Ohne Datierung sind 520 Bücher.

Albert Holenstein (Fachstelle schriftliches Kulturerbe, Stiftsbibliothek St. Gallen) hat Ende 2018 die Bibliothek wissenschaftlich untersucht. Ihm sei ganz herzlich Dank gesagt. Hier einige Punkte, die in seinem Bericht zu finden sind.

Charakterisierung Bestand

In der Rapperswiler Kapuzinerbibliothek gehören Homiletik, Aszetik und Pastoraltheologie zu den bedeutendsten theologischen Sachgebieten. Während homiletische und aszetische Werke seit der Gründung des Klosters in grosser Zahl Eingang in die Bibliothek fanden, trifft dies auf pastoraltheologische Werke erst ab dem 19. Jh. zu. Nach 1800 wächst die Bibliothek stark an und es ist eine Öffnung gegenüber weltlichen Themen (u. a. Geschichte und Belletristik) zu beobachten. Die Rapperswiler Kapuziner besitzen zudem eine wertvolle Sammlung an Inkunabeln und Frühdrucken.

Geschichte der Bibliothek

Zum 1602 in Rapperswil gegründeten Kloster gehörte von Anfang an eine Bibliothek, die in einem kleinen Raum (heute Teil der Sakristei) untergebracht war. Schon früh erhielt die Brüdergemeinschaft Bücher geschenkt (ältester Vermerk in einem Buch aus dem Jahr 1606) und konnte sich so eine kleine Bibliothek aufbauen. Diese scheint Mitte des 17. Jhs. schon genug bedeutend für Repräsentationszwecke gewesen zu sein. So wurden am 7. April 1657 den Repräsentanten der Stadt Rapperswil in der Klosterbibliothek 7000 Silberkronen ausbezahlt. Der ehemalige Provinzobere Sebastian von Beroldingen (1591–1656) erhielt das Geld von Papst Alexander VII. zugesprochen, um in der Stadt Rapperswil die Schäden der Belagerung durch Zürcher Truppen im Ersten Villmergerkrieg (1656) zu beheben.

Im 18. Jh. besass die Bibliothek bereits eine ansehnliche Grösse. Gemäss dem ältesten erhaltenen Katalog aus der ersten Hälfte des 18. Jhs. ist von rund 2435 Bänden auszugehen.[1] Am besten vertreten sind darin Predigtliteratur und aszetische Werke deutscher wie lateinischer Sprache. Doch auch zu den Themen Theologie und Kirchengeschichte listet der Katalog zahlreiche Titel auf. Nicht nur die Bibliothek, sondern das ganze Kloster benötigte in dieser Zeit mehr Platz, was 1734 zu einer Vergrösserung des Klostergebäudes führte. Gleichzeitig wurde die Bibliothek an die Nordseite des Klosters verlegt. Die angrenzenden Zellen wurden zu einem späteren Zeitpunkt wegen Platzbedarf in die Bibliothek integriert.

Auch in den zwei folgenden Jahrhunderten nahm der Bibliotheksbestand stetig zu. Typisch für die Zeit nach 1800 ist eine Ausweitung des Bestandes auf nichtreligiöse Literatur wie etwa Geschichte und Belletristik. Auch Kunst, Naturgeschichte oder aber Katechetik nehmen einen immer grösseren Stellenwert ein. Bei den Klosterumbauten 1923/24 sowie 1967 wurde der Zunahme an Büchern insofern Rechnung getragen, als man sich jeweils zur Einrichtung grösserer Bibliotheksräume veranlasst sah. Die heutige Bibliothek fand 1967 im Dachraum des Erweiterungsbaus Platz.   [1] Steimer, Geschichte, S. 216.

Grundordnung

A Bibel; B Kirchenväter; C Exegese; D Dogmatik; E Moral; F Aszetik; G Pastoral; H Recht; J Apologetik; K Kirchengeschichte; L Biographien; M Schweizergeschichte; N Weltgeschichte; O Naturgeschichte; P Philosophie; Q Homiletik; R Katechetik; S Sprachen; T Belletristik; U Zeitschriften; V Kunst; W Lexika; Z Inkunabeln