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ZSZ-Redaktorin Olivia Tjon-A-Meeuw verbringt eine Woche im Kloster zum Mitleben in Rapperswil und berichtet hier täglich von ihren Erlebnissen.
ZSZ-Redaktorin Olivia Tjon-A-Meeuw verbringt eine Woche im Kloster zum Mitleben in Rapperswil und berichtet hier täglich von ihren Erlebnissen.

Das Kloster Rapperswil ist seit 25 Jahren ein Kloster zum Mitleben. ZSZ-Redaktorin Olivia Tjon-A-Meeuw verbringt eine Woche dort und berichtet hier täglich von ihren Erlebnissen. Link zum Dossier der Zürichsee-Zeitung.

 

1.  Tag: Der Schritt ins Ungewisse

Eine Woche im Kloster verbringen. Doch, doch, das klingt spannend, meinte ich damals, vor einigen Monaten, als der Vorschlag aufkam. 25 Jahre Kloster zum Mitleben in Rapperswil-Jona, da darf man ja ruhig etwas Grösseres machen. Nun steht der Einzug ins Kloster unmittelbar bevor, und ich habe keine Ahnung, was mich erwartet. Mein Umfeld offensichtlich auch nicht: Ob ich in einer Nonnentracht samt Schleier rumlaufen werde, fragt mich eine überraschende Anzahl Freunde. Nein, werde ich nicht. Im Kapuzinerkloster in der Rapperswiler Altstadt passt man sich gemäss Auftrag des Ordens immer an die Bedürfnisse der jeweiligen Zeit an. Und eine Pflicht zur Mönchskutte würde heutzutage wahrscheinlich eher abschreckend wirken.

Und weil man sich an die Bedürfnisse der modernen Zeit anpasst, gibt es auf der Internetseite des Klosters doch noch einige Informationen zu dem, was mir in dieser Woche bevorsteht. Mitnehmen soll man zum Beispiel regenfeste Kleidung. Da findet wohl etwas im Klostergarten statt. Die Unterkunft wird als einfaches Zimmer beschrieben. WC/Dusche sind auf der Etage. Kein Problem, das erinnert an Jubla-Lager.

Und siehe da, ein ausführliches Programm ist auch zu finden. Frühstück gibts bereits um Viertel vor sieben! Da bin ich normalerweise noch gar nicht wach. Aber wer weiss, vielleicht komme ich in dieser Woche auf den Geschmack.

Ganz wichtig für ein Kloster sind natürlich die Gebete, an denen auch die Gäste teilnehmen. Da ich mich nicht genau erinnern kann, wann ich das letzte Mal eine Kirche von innen gesehen habe, dürfte dies eine interessante Erfahrung werden.

Dank moderner Technologie wird das Bild also ein wenig klarer. Wie der Klosteraufenthalt dann tatsächlich aussieht, erfahren Sie in dieser Woche jeden Tag in der ZSZ.

(Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 04.12.2017, 09:46 Uhr

 

2. Tag: Das Kloster mit der besten Aussicht

Vor der Pforte des Klosters Rapperswil hängt ein Kreuz. Zieht man daran, läutet im Innern ein Glöckchen. Daraufhin öffnet der Pförtner die Türe und man ist im warmen Kloster. Am Sonntagnachmittag läuten die ankommenden Gäste allerdings vergebens. Wir schauen uns verwirrt an. Sind wir zu früh? Sind alle Bewohner des Klosters ausgeflogen? Doch einer der Gäste greift beherzt zum Telefon und ruft ins Kloster an. Dann wird die Türe auch geöffnet und wir werden herzlichst empfangen. Schnell wird klar, dass alle Gäste ausser mir, zum wiederholten Male ins Kloster einziehen. Ein Gast aus Deutschland ist seit 2000 sogar fast jährlich hier. Die Rückkehrer werden von den Brüdern und Schwestern freudig willkommen geheissen, auch wenn der eine oder andere Name gerade nicht in den Sinn kommen will. Die Szene macht klar, dass im Kloster viel gelacht und geschwatzt wird.

Bevor wir eine Einführung ins Klosterleben erhalten, werden wir auf unsere Zimmer geführt. Und wer sich darunter eine kleine Zelle vorstellt, liegt falsch. Es ist ein helles und warmes Zimmer. Und ich bin ziemlich sicher, dass es grösser ist, als mein Zimmer zuhause. Die bessere Aussicht hat es auf jeden Fall: Direkt auf den See und den Damm. Ich verbringe einige Zeit damit, aus dem Fenster zu schauen. Ich reisse mich aber dann doch los, denn ich will den Rundgang nicht verpassen. Schlussendlich kriege ich eine private Tour durch das Kloster, weil sich alle anderen schon auskennen. Glücklicherweise ist alles angeschrieben, inklusive meines Zimmers. Trotzdem gibt es Momente, wo ich an einer Kreuzung stehe, und mich kurz frage, ob ich nun nach unten oder doch nach links müsste.

Zum Glück sind die Bewohner des Klosters sehr hilfsbereit. Insbesondere auch, wenn man das Waschbecken im Zimmer nicht findet, weil es im Schrank versteckt ist.
Das Kloster Rapperswil ist seit 25 Jahren ein Kloster zum Mitleben. ZSZ-Redaktorin Olivia Tjon-A-Meeuw verbringt eine Woche dort und berichtet hier täglich von ihren Erlebnissen. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 04.12.2017, 16:19 Uhr

 

3. Tag: Bewusste Routine

War am Anfang noch alles neu und ein wenig verwirrend, habe ich langsam begriffen, wie der Tagesablauf im Kloster aussieht. Da hilft auch der Wochenplan, auf dem alle Aktivitäten genau eingetragen sind. Es gibt also eine Routine, ein bisschen wie im Arbeitsleben. Nur wird der Tag hier im Kloster Rapperswil bewusster gelebt, würde ich behaupten. Um sieben Uhr starten wir mit dem Morgenlob im Gebetsraum. Das beinhaltet Singen, Gebete und Meditation. Es herrscht Stille und alle sind hochkonzentriert. Ab und zu knurrt ein Magen und erinnert daran, dass das Frühstück auf uns wartet. Nach zwanzig Minuten Meditation auf den Knien fühlen sich diese, bei mir auf jeden Fall, ein wenig taub an.

Beim Frühstück wird der Kaffee aus Schalen getrunken, so wie es die Hipster tun. Nur ist es hier Tradition und nicht Mode. So langsam werden alle wach. Schaut man im Refektorium – das ist der Esssaal – aus dem Fenster, kriegt man den Eindruck, das Kloster sei von der Welt abgeschnitten, so dick ist der Nebel, der auf dem See liegt.

Nach dem gemeinsamen Abwasch folgt eine Zeit der Stille. Da soll man bei sich sein und sich für den Tag sammeln. Denn so viel auch gelacht und geredet wird im Kloster, die Stille ist auch wichtig. Als Neuling war mir nicht immer klar, wann genau Schweigen angesagt ist, und darum plapperte ich manchmal auch in die Stille hinein. Zum Glück nimmt mir das hier niemand übel.

Bei einer Tasse Kaffee oder Tee wird dann die Arbeit verteilt. Ferien macht man im Kloster nämlich keine. Für eineinhalb Stunden helfen alle aus, wo sie können. Da gehört das Kochen ebenso dazu wie das Bügeln. Andere zum Beispiel verzieren Kerzen, die an Besucher verkauft werden. Das erinnert ein wenig an den Werkunterricht in der Schule. Es wird auch genauso viel geschwatzt wie damals. Die Gäste erzählen von ihren Kindern und Enkeln. Die alten Hasen tauschen sich über ehemalige Gäste aus. Man merkt, dass hier im Kloster Rapperswil Bande fürs Leben geschmiedet werden.

Vor dem Mittagessen folgt ein weiteres, kürzeres Gebet. Insgesamt verbringt man im Kloster pro Tag schon etwa zwei Stunden im Gebet. Dazu kommen noch all die kurzen Gebete vor den Mahlzeiten.

Apropos Mahlzeiten: Im Kloster wird gut und vor allem ausreichend gespeist. Zum Beispiel Ghackets mit Hörnli oder Riz Casimir. Kein Wunder, sitzt man nach dem Mittagessen noch zum Kaffee zusammen – unter Kof­feinentzug leidet hier niemand – und verdaut ein bisschen. Die Schwestern necken die Brüder, die Brüder beschweren sich scherzhaft über die angebliche Nörgelei. Es erinnert mich ein wenig an meine Geschwister. Ich werde übrigens wegen meiner Artikel aufgezogen, aber natürlich auf eine nette Art und Weise.

Am Nachmittag haben die Gäste Zeit für sich. Einige ziehen sich auf ihr Zimmer zurück, andere machen einen Spaziergang durch Rapperswil. Wiederum andere müssen einen Artikel schreiben. Um mal Pause zu machen, durfte ich gestern Schwester Rosmarie und Schwester Ursula beim Grittibänzbacken helfen. Wir freuten uns sehr über unsere verkorksten, aber einzigartigen Bänzen. Wir fachsimpelten über die beste Art, anständige Arme zu formen, und fragten uns, wie lange das Gebäck wohl in den Ofen muss. Ein Gespräch, wie es auch in jeder anderen Küche stattfinden könnte.

Am Abend kommt die Gemeinschaft zum Abendlob zusammen, ein Gebet, das ähnlich wie das Morgenlob aufgebaut ist. Nach dieser geistigen Sammlung geht es beim Abendessen bei einem Glas Wein oder zwei wieder um Weltliches.

Nach einigen Stunden Freizeit folgt das Nachtgebet in der Klosterkirche. Um viertel vor zehn ist dann Nachtruhe. Am nächsten Tag geht es schliesslich früh wieder los. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 06.12.2017, 10:14 Uhr

 

4. Tag: Ein offenes und einladendes Kloster

Meine Freunde hatten die perfekte Lösung, falls es mir im Kloster zu viel werden würde: «Knüpf die Bettlaken aneinander und seile dich über die Klostermauern ab.» Und falls ich in Not sei, solle ich doch eine Brieftaube schicken oder allenfalls Rauchsignale senden. Die Vorstellung dahinter ist jene des Klosters als eine Art geschlossenes Haus, in dem man total von der Aussenwelt abgeschottet ist. Das ist hier im Kapuzinerkloster allerdings nicht der Fall.

Gleich am Anfang bekommen alle Gäste einen Schlüssel, damit sie gehen und kommen können, wie sie möchten. Einzig zu den festgelegten Zeiten wie Gebeten oder Mahlzeiten wird die An­wesenheit erwartet. Ansonsten steht es einem frei, sich ausserhalb der Klostermauern zu bewegen. Da das Kloster gleich am See und in der Altstadt liegt, gibt es in der näheren Umgebung einige Möglichkeiten, den Nachmittag zu verbringen. Einige Gäste wandern gleich bis zum nächsten Kloster, nämlich nach Wurmsbach. Auch ich ergreife die Gelegenheit, um nach dem Schreiben ein wenig den Kopf durchzulüften und ein paar Schritte zu gehen. Ich habe ja hier keinen Arbeitsweg und gehe auch für das Mittagessen nicht ausser Haus. Da wäre es eine leichte Sache, den ganzen Tag drinnen zu verbringen. Auch weil ich hier viel sitze – zum Beten, zum Schreiben, zum Essen –, tut ein Spaziergang ganz gut.

Auch die Bewohner des Klosters verlassen dessen Mauern regelmässig, sei es, um eine Messe zu halten, im Spital ihre Dienste anzubieten oder ihre Familien zu besuchen.

Die Kommunikation findet mit ganz modernen Mitteln statt: Das Kloster ist nämlich zumindest in einigen Bereichen mit WLAN ausgestattet. Das Netz heisst «Pilger». Die Brüder und Schwestern kommunizieren mit der Aussenwelt häufig via E-Mail, auch wenn viele von ihnen älteren Semesters sind.

Und überhaupt zeigt natürlich die Bereitschaft, immer wieder neue Gäste aufzunehmen, dass die Klostergemeinschaft sehr offen ist. Neben den Wochengästen kommen auch viele andere Freunde des Klosters zu Besuch oder helfen aus. Jeden Tag taucht wieder ein neues Gesicht auf. Also neu für mich natürlich. Für die Schwestern und Brüder sind es alte Freunde. Da gibt es Personen, die machen den Pförtnerdienst, andere führen Reparaturen aus. Wer gerade im Haus ist, wird natürlich zum Mittagessen eingeladen oder kocht es gleich selbst.

Diese Woche kam ein ganz spezieller Gast zu Besuch: der Samichlaus. Es stellte sich heraus, dass er auch über die Klostergemeinschaft Buch führt. Was genau in seinem Buch stand, das soll ein Geheimnis bleiben. Nur so viel: Am Ende waren alle Schwestern und Brüder noch da. Und Nüssli und Mandarinli hat es nun im Kloster im Überfluss.

Was meine Bettlaken angeht, so sind die noch immer dort, wo sie hingehören. Nach einer halben Woche kann ich sagen: Ich möchte nicht aus dem Kloster Rapperswil türmen. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 07.12.2017, 10:55 Uhr

 

5. Tag: Ein Ort der Stille und der Akzeptanz

Diese Woche sind ausser mir noch fünf andere Gäste im Kloster. Sie erzäh­len an dieser Stelle von ihren Erfahrungen.

Horst, seit 2007 jedes Jahr hier: «Hier ist der Ort, an dem ich mit all meinen Widersprüchen so sein darf, wie ich wirklich bin. Vor zwei Jahren habe ich mich hier nach der Lektüre eines Buches entschieden, dass ich kein Christ mehr bin. Das habe ich einem Bruder auch gleich mitgeteilt. Er hat das einfach mal so aufgenommen. Am nächsten Tag war Eucharistiefeier, und ich stand in der ersten Reihe. Der gleiche Bruder hat mich angeschaut und mir dann die Hostie gegeben. Das war für mich ein Symbol dafür, wie tolerant die Leute hier sind. Darum fühle ich mich einfach wohl und gänzlich angenommen, so wie ich bin.»

Konrad, seit 2000 fast jährlich hier: «Ein Kloster ist immer eine religiöse Stätte, das hat in die Entscheidung hinein­gespielt, hierher zu kommen. Ich wollte nach dem Glauben suchen. Ich habe ihn auch gefunden. Ich war aus der Kirche ausgetreten und bin dann auch wegen meiner Erfahrungen hier wieder ein­getreten – weil es nicht der klassische Glaube ist, wie wir ihn in der Schule mitbekommen haben. Wir hatten einen total brutalen Pfarrer in der Schule. ­Darum habe ich den Glauben gerne ­abgegeben, aber auch gerne wieder­ aufgenommen, denn die Brüder hier sind alle sehr herzlich und nehmen einen mit offenen Armen auf. Das ist toll.»

Bernd, zum ersten Mal hier: «Ich bin jetzt in der zweiten Woche hier, und es gefällt mir sehr gut. In der vorherigen Woche waren ganz andere Persönlichkeiten da. Das ist sehr inter­essant. Ich mag auch die ruhige und gelassene Ader hier, die freund­liche Art, miteinander umzu­gehen. Man merkt, dass es nicht aufgesetzt ist. Die Ruhe gefällt mir sehr; ich gehe praktisch jeden Tag zwei Stunden spazieren. Es ist zwar immer der gleiche Weg, aber ich sehe immer etwas ­anderes, und das Wetter ändert sich ja immer. Das ist sehr angenehm. Ich werde nicht das letzte Mal hier gewesen sein.»

Heinrich, seit neun Jahren jedes Jahr hier: «Ich war vor neun Jahren ziem­lich am Boden. Die erste Woche, die ich hier war, konnte ich wirklich Ruhe finden. Die Brüder und Schwestern geben einem Halt. Seither komme ich jedes Jahr hierher, seit einigen Jahren für zwei Wochen. Eine Woche ist beinahe ein wenig zu kurz. Ich fühle mich hier geborgen. Es ist schön, mit dieser Bruderschaft zusammen zu sein. Auch mit allen Gästen, die ich bis jetzt getroffen habe – egal, von wo sie kommen –, hatte ich eine gute Zeit. Das we­nige Arbei­ten tut gut, und es entsteht eine Gruppendynamik. Das finde ich schön.»

Sigrid, zum vierten Mal hier: «Ich finde ganz gut, dass man hier einen Raster hat und nicht ins Boden­lose fällt und nur noch mit seinen Gedanken beschäftigt ist. Das kann ja auch negativ sein, dass man da nur noch am Rad dreht, und anfängt, zu grübeln. Für mich passt es hier total. Jedes Mal, wenn ich wiederkomme, ist es, wie wenn ich nach Hause komme. Es ist nie fremd, sondern immer gleich wieder vertraut.» (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 08.12.2017, 10:43 Uhr

 

6. Tag: Durch die Wüste am Zürichsee

Wüste bedeutet Alleinsein mit sich selber und mit dem, was ist, in und um uns.» So steht es in der Anleitung zum sogenannten Wüstentag, den alle Gäste im Rahmen ihres Klosteraufenthalts absolvieren. Alleinsein heisst in diesem Kontext, dass wir gestern aus dem Kloster hinausgeschickt wurden, um zu wandern. Jeder für sich alleine. Hinzu kommt, dass wir den Tag ab der Einführung am Morgen bis zur Rückkehr am späten Nachmittag schweigend verbringen sollten. In der Stille und der einsamen Wanderung soll, was einen innerlich bewegt, Vorrang haben.

Ich bin eigentlich jemand, der gerne redet – auch mal mit mir selbst –, und so war ich gespannt, ob ich diese Redepause aushalten würde. Wie sich im Laufe des Tages allerdings herausstellte, war dies das kleinste Problem: Wanderungen entlang des Zürichsees sind ja meistens ganz schön, doch gestern kletterte das Thermometer nie über fünf Grad, und es regnete, wie es mir schien, konstant.

Ich hatte als Route zuerst einen kurzen Abstecher über den Holzsteg geplant, da ich ihn noch nie überquert hatte. Nachdem ich mich gut eingepackt hatte, stapfte ich also los. Dabei dachte ich die ganze Zeit: «Was denk ich gerade?» Ich ging mir selbst ein wenig auf die Nerven. Auf dem Holzsteg las ich alle Infotafeln, um mal von mir selbst wegzukommen. Irgendwann fing ich an, in meinem Kopf zu singen – «Darth Vader’s Theme» aus «Star Wars».

In Hurden angekommen, kehrte ich wieder um. Ich wollte noch bis nach Wurmsbach, schliesslich hatte ich noch Stunden vor mir, die irgendwie gefüllt werden mussten.

Es nieselte, und ich wünschte mir inbrünstig, dass es Sommer wäre. Wie wunderbar wäre dann ein Tag am See. Selten habe ich so intensiv über das Wetter nach­gedacht. Zum Glück hatte ich meinen Schirm dabei.

Irgendwann wurde die «Star Wars»-Musik von andern Liedern abgelöst. Dabei merkte ich, dass ich keinen einzigen Song ganz auswendig kann. Das sollte ich dringend ändern, denn es ist ziemlich nervig, wenn einem immer die gleichen zwei Zeilen durch den Kopf gehen.

In der Kirche in Busskirch legte ich einen Zwischenstopp ein. Ganz alleine sass ich im Dunkeln. Die Stille war fast ein physischer Druck. Draussen hört man ständig Geräusche – Züge, Hunde, Wind und Regen. Nun aber war es wirklich still. Es war beinahe ein wenig unangenehm. Ich verbrachte einige Zeit in Gedanken versunken. Als ich meiner wieder bewusst wurde, war das Unwohlsein verflogen.

Die Kirchenglocken waren das Signal, um weiterzuziehen. Inzwischen nieselte es nicht mehr, sondern regnete richtig. Egal, ich hatte ein Ziel vor Augen. Doch an der Mündung der Jona merkte ich, dass meine Winterschuhe wohl bald die Nässe durchlassen würden. So entschloss ich mich, umzukehren.

Ich suchte auf dem Rückweg wiederum in der Busskirche Zuflucht, denn ich war vollkommen durchnässt und durchfroren. Nach einer kurzen Verschnaufpause eilte ich zurück ins Kloster.

Den Rest des Nachmittags verbrachte ich schweigend – auch ohne Handy – in meinem Zimmer. Mit mir selbst alleine sein geht in Ordnung, aber dann soll mich gefälligst auch der Regen in Ruhe lassen. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 08.12.2017, 16:39 Uhr

 

7. Tag: Eine schöne Zeit im Kloster Rapperswil

Nun ist meine Woche im Kloster also vorbei, und es ist ganz klar, die Zeit bei den Brüdern und Schwestern in Rapperswil hat mir sehr gefallen. Ich wurde von ihnen wie auch von den anderen Gästen sehr freundlich aufgenommen und habe mich dementsprechend auch wohlgefühlt. Es brauchte am Anfang ein wenig Überwindung, sich auf so viele neue Personen auf einmal einzulassen. Nun aber möchte ich die gemeinsame Zeit nicht missen. Ganz wichtig für mein Wohlbefinden war auch der Schlaf.

So viel wie im Kloster habe ich, trotz des frühen Aufstehens, schon lange nicht mehr geschlafen. Das hätte ich nicht gedacht. Gut war zudem, dass ich meinen Internetzugang stark eingeschränkt habe. Ich war nicht gerade offline, aber weil ich nie nach dem Passwort für das Netzwerk gefragt hatte, musste ich mit meiner mobilen Datenmenge sorgsam umgehen. Das hat wohl auch zu meinem guten Schlaf beigetragen.

Ich werde versuchen, diese Gewohnheit auch nach Hause mitzunehmen. Mitnehmen werde ich auch einiges Neues an Wissen. Erstens weiss ich nun endlich, woher der Begriff «in die Mangel nehmen» kommt. Ich durfte in der Waschküche nämlich eine Mange bedienen. Zweitens werde ich mich hüten, jemals Baumnussschalen in ein Feuer zu werfen.

Die explodieren dann nämlich. Unnützes Wissen, könnte man sagen. Aber ich bin mir sicher, daran werde ich mich mein Leben lang erinnern und dadurch auch an die schöne Zeit im Kloster. Was ich wohl nicht in den Alltag mitnehmen werde, sind die Momente der Besinnung. Auch nach einer Woche sind für mich Rituale wie der Gottesdienst immer noch fremd geblieben.

Es ist nicht so, dass es für mich eine Tortur gewesen wäre, an den Gebeten teilzunehmen. Es war eine interessante Erfahrung, die mich aber nicht auf eine Art und Weise berührt hat, die dazu führen würde, dass ich solche Momente auch zu Hause pflegen würde. Auch wenn Augenblicke des Innehaltens im manchmal hektischen Alltag vielleicht gar nicht so schlecht wären. Ob ich mir vorstellen könnte, wieder einmal ins Kloster zurückzukehren, wurde ich schon einige Male gefragt. Einige Gäste haben sich bereits für die nächsten beiden Jahre wieder angemeldet.

Ich hingegen werde wohl nicht so bald wieder eine ganze Woche im Kloster mitleben. Falls ich aber einmal eine Auszeit brauche, wird das Kloster Rapperswil ganz oben auf meiner Liste stehen. Es besteht ja auch die Möglichkeit, einmal zum Kaffee vorbeizuschauen.

Erstellt: 11.12.2017