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Das-Gepäck-ist-bereit-für-den-Aufbruch.
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Eigentlich ist es ja klar, dass bei so vielen Zeiträumen für‘s Gebet, wie sie das Kloster Rapperswil bietet, sich ein spirituelles Highlight nach dem andern einfinden wird.

Davon ging ich aus, als ich mich mit Sack und Pack nach Rapperswil aufmachte und für drei Jahre als „Bruder auf Zeit“ dort lebte. Nur sind solche Highlights nicht machbar sondern Geschenk. Sie müssen sich auch nicht zwingend in klösterlichen Gebetsräumen ereignen. Davon erzählt folgendes Erlebnis.

Br. Adjut kam an einem kalten Winterabend auf mich zu und erklärte mir, dass sich ein Pilger mit seinen zwei Kindern in der Antoniusgrotte aufhält. Diese Familie wollte dort in der Kälte übernachten. Wir baten die drei dann an den Pfortentisch, wo es zunächst mal etwas Warmes zu essen und trinken gab. Die ungewöhnliche Pilgergruppe war ganz durchfroren. Sich um diese Zeit auf eine Etappe des Jakobswegs zu begeben, sich nicht um Übernachtungsmöglichkeiten zu kümmern, und das auch noch mit zwei Kindern, konnte ich nun wirklich nicht verstehen. Musste ich auch nicht, die drei sassen am Pfortentisch, es war nun mal so wie’s war.

Langsam tauten im wahrsten Sinne des Wortes die Kinder auf. Sie begannen eifrig zu erzählen: Was sie so alles mit ihrem Vater jetzt erlebten und was sie gerade vermissen. Der Vater erzählte, dass er in der kurzen Zeit, die er mit den Kindern verbringen kann, ihnen unvergessliches bieten möchte. Die Kinder lebten bei ihrer Mutter, die Trennung machte ihm zu schaffen. In der Zwischenzeit konnte ich für die drei eine Übernachtungsmöglichkeit im Pfarrhaus organisieren, bei uns im Kloster war es nicht möglich.

Nach zwei Stunden begleitete ich sie zum Pfarrhaus. Erst vor der Pfarrhaustüre endete das muntere Geplauder der Kinder. Wir verabschiedeten uns und ich ging wieder zurück ins Kloster. Noch auf dem Heimweg spürte ich etwas von diesem spirituellen Highlight nachklingen, das ich doch im Gebetsraum zu finden erhoffte. Nur fand ich es an der Pforte. Gott ist auch im Nächsten erfahrbar, z.B. im Vater und seinen Kindern, die in einer kalten Januarnacht unterwegs sind, in Menschen, mit denen man ein Stück Weg gehen darf, in Begegnungen , die herausfordern oder auch einfach nur gut tun. Diese Erfahrung durfte ich in meiner Zeit in Rapperswil oft machen. Es war eine Zeit der Begegnung mit den unterschiedlichsten Menschen. Eine Zeit, die mich ermutigte, meine sieben Sachen wieder zu packen und den Weg als Kapuziner weiter zu verfolgen.

Br. Kletus Hutter

Novize

 

Zum Jubiläum 25 Jahre „Kloster zum Mitleben“

1991 verwirklichten die Kapuziner in Rapperswil ein offenes Kloster zum Mitleben. Sie erprobten und verwirklichten neue Gebetsformen und öffneten das Kloster auf die Stadt und die Umgebung hin.

Es entstand das offene Kloster zum Mitleben, welches heute unter anderem auch Exerzitien, spirituelles Wandern und Meditationstage sowie geistliche Begleitung anbietet.

Im Rahmen des Jubiläums werden von Februar bis September 2017 unterschiedliche Beiträge von Beteiligten veröffentlicht. …