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Jede bringt ihre eigenen Farben ins Kloster.
Jede bringt ihre eigenen Farben ins Kloster.

Während meiner Zeit am Gymnasium lief eine Serie im Fernsehen. Hauptpersonen waren Nonnen, die ihr Kloster gegen einen Bürgermeister verteidigen mussten, der auf dem Klostergelände gerne ein Kongresszentrum gebaut hätte.

Doch dies tut hier nichts zur Sache; die Fernseh-Nonnen nahmen in ihrem Kloster Gäste für eine bestimmte Zeit auf. Ob es das wohl auch in der Wirklichkeit gibt? Nach einigem Suchen fand ich das Kapuzinerkloster in Rapperswil und habe dort ein Jahr vor meiner Musik-Matur eine Woche im Kloster verbracht. Eine Woche, die mich sehr berührt und mein Leben stark geprägt hat.

Innerlich blieb ich dem Kloster immer verbunden, doch es sollte elf Jahre dauern bis ich 2016 zum zweiten Mal als Gast nach Rapperswil kam. Inzwischen mit einem abgeschlossenen Theologiestudium und als Gemeindepfarrerin in einer Stadt in der Nähe des Flughafens Zürich. Ich darf den Beruf ausüben, der zugleich meine Berufung ist und der mich erfüllt, doch es fehlt etwas: Ich bin als Pfarrerin nicht mehr ein einfaches Kirchgemeindemitglied. Mir fehlt die Gemeinschaft. Im Klösterli habe ich eine solche Gemeinschaft gefunden, wo ich jemand unter vielen sein und einfach mitfeiern, mitbeten kann. Gestärkt von diesen Erfahrungen gehe ich dann jeweils reich beschenkt zurück in meinen Beruf und in meinen Alltag.

Seit Jahren beschäftige ich mich mit einem einfachen Leben mit wenig Besitz und reichen Erfahrungen. Auf dieser Suche nach Antworten auf die Frage, was es zu einem zufriedenen, erfüllten Leben vor Gott braucht, finde ich immer wieder auch Antworten in der franziskanischen Spiritualität und je länger je mehr in der Stille beim gemeinsamen Gebet. Während meines letzten Klosteraufenthalts habe ich Andachten geschrieben für meine persönliche stille Zeit. Ich habe sie nie gebraucht, meine persönlichen Gebetszeiten, die ich alleine im Pfarrhaus zur gleichen Zeit wie im Kloster verbringe, beginnen immer mit demselben Satz: „Gott, lass mich einfach ein wenig still bei dir sitzen.“ Und so will ich das nun bald auch tun, wenn ich mich etwas beeile, schaffe ich es rechtzeitig zum Nachtgebet…

Cindy Gehrig, Pfarrerin in der ev.-ref. Kirche Opfikon

 

Zum Jubiläum 25 Jahre „Kloster zum Mitleben“

1991 verwirklichten die Kapuziner in Rapperswil ein offenes Kloster zum Mitleben. Sie erprobten und verwirklichten neue Gebetsformen und öffneten das Kloster auf die Stadt und die Umgebung hin.

Es entstand das offene Kloster zum Mitleben, welches heute unter anderem auch Exerzitien, spirituelles Wandern und Meditationstage sowie geistliche Begleitung anbietet.

Im Rahmen des Jubiläums werden von Februar bis September 2017 unterschiedliche Beiträge von Beteiligten veröffentlicht. …