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Bürkliplatz, dort aufs Schiff, und nach zwei Stunden im Fahrtenwind in Rappi ankommen wie kann man schöner in die Ferien fahren?

Nach der herzlichen Begrüssung an der Pforte eines der vertrauten Zimmer beziehen, ein erster Gang durch den blühenden Garten, erste bekannte Gesichter wiedersehen und bei der Willkommensrunde entdecken, mit wem man vor wieviel Jahren schon einmal gemeinsam eine Woche hier verbracht hat. Nach dem Nachtessen dann der erste Schwumm im See, und hinterher ein kühles Bier auf der Terrasse.

Natürlich stellt sich jedes Jahr die Frage, wie viele Fenster muss ich diesmal putzen, oder welche anderen Ämtli erwarten mich. Ebenso die Spannung, welche inneren Themen werden auftauchen, was wird mir in der Stille und Meditation begegnen? Werde ich ein Wort oder eine Erfahrung geschenkt bekommen, das mich durch die nächsten Monate tragen kann?

Kennen gelernt hatte ich das Kloster bei der Exkursion einer ökumenischen Gruppe nach St. Gallen und Rapperswil als Einführung in die benediktinische bzw. franziskanische Spiritualität. Br. Thomas Morus stellte uns das gemeinsame franziskanische Leben so überzeugend vor, dass mein Bericht davon meinen Partner Samuel veranlasste, sich für eine Woche Mitleben anzumelden dem ich mich gerne anschloss. Erst Jahre später erfuhren wir, dass in der Regel keine Paare aufgenommen werden, was bei unserer Anmeldung von verschiedenen Wohnsitzen mit verschiedenen Namen nicht erkennbar war. Anscheinend haben wir uns unauffällig genug in die Gästegruppe integriert; jedenfalls durften wir seither jedes Jahr wiederkommen.

Ich hatte bereits vorher jahrelang regelmässig Exerzitien-Wochen besucht; hier konnten wir diese Erfahrung erstmalig gemeinsam machen. Es bereichert mich sehr, dass wir mit unserer unterschiedlichen Spiritualität und unseren unterschiedlichen emotionalen, psychischen und geistlichen Bedürfnissen hier beide eine Heimat gefunden haben, die uns entspricht. Für mich ist der Freiraum zur vertieften Betrachtung von Bibeltexten am wichtigsten sowie die langjährige geistliche Begleitung, beides als meine jährliche Psychohygiene“. Samuel hat hier Meister Eckhard und die christliche Mystik entdeckt und ist von der Offenheit und Glaubwürdigkeit der Klostergemeinschaft beeindruckt. Gemeinsam schätzen wir die Tageszeitengebete mit der ausführlichen Meditationszeit. Beiden sind uns die Brüder und Schwestern ans Herz gewachsen.

Im Laufe der Zeit haben wir uns einen kurzen abendlichen Austausch angewöhnt bei einem Gang durch den Rosengarten, einem Glacé am Seeufer, oder dem Blick aus dem Fenster des Sprechzimmers auf den Regen. Dieser Austausch bereichert die eigene spirituelle Erfahrung durch den Blick des anderen und vertieft unsere Beziehung.

Wir hoffen, dass wir diese Erfahrung noch viele Jahre wiederholen können.

Barbara B.

 

Zum Jubiläum 25 Jahre „Kloster zum Mitleben“

1991 verwirklichten die Kapuziner in Rapperswil ein offenes Kloster zum Mitleben. Sie erprobten und verwirklichten neue Gebetsformen und öffneten das Kloster auf die Stadt und die Umgebung hin.

Es entstand das offene Kloster zum Mitleben, welches heute unter anderem auch Exerzitien, spirituelles Wandern und Meditationstage sowie geistliche Begleitung anbietet.

Im Rahmen des Jubiläums werden von Februar bis September 2017 unterschiedliche Beiträge von Beteiligten veröffentlicht. …