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Kapuziner meditieren im inneren Chor.
Kapuziner meditieren im inneren Chor.

Mauritiuspfarrei Bichwil. Erfahrungsbericht einer Klosterführung. Auch dieses Jahr streben 14 Jugendliche aus der Gemeinde Oberuzwil ihre Firmung mit vollem Elan an. Dazu bietet die Pfarrei Oberuzwil-Bichwil einen Firmweg mit rund 15 Treffen, bei denen viel gelacht, gelernt und entdeckt wird. Auch am Samstag, dem 30. April, war es wieder einmal so weit. Es wurde eine Exkursion ins Kapuzinerkloster Rapperswil bei herrlichem Wetter unternommen. Mitte Morgen brachen elf Teilnehmer sowie die fünf Betreuer Richtung Linth-Ebene auf.

Bruder Adrian Müller erwartete das Grüppchen bereits, um gleich mit einer spannenden Führung zu beginnen. Allgemein begann er die Jugendlichen und Leiter über das Klosterleben aufzuklären und stellte als erstes die elf Brüder vor, welche allesamt sehr unterschiedliche Persönlichkeiten darstellen. Im Rahmen eines Projektes seien zwei Schwestern aus einem anderen Kloster ebenfalls temporäre Mitglieder bei ihnen. Eingetaucht in die friedliche Atmosphäre des Konvents erlebten die jungen Menschen die verschiedenen Facetten der Brüder und ihrem Heim. Bruder Adrian erklärte, wieso das Kloster, welches direkt am Ufer des Zürichsees steht, so eine ausserordentlich gute Lage besitzt. Zweierlei Gründe waren verantwortlich dafür. Einer davon ist die Gemeinschaft der Kapuzinerorden, die einerseits den Kontakt zur Bevölkerung sucht und anderseits auch ihre Ruhe zu schätzen vermag. Darum sind ihre Klöster stets in der Nähe der Stadt aber stets ausserhalb der Stadtmauern. Der zweite Grund waren Wege von protestantischen Bauern, die jeweils an dem vorerst geplanten Standort vorbeimarschieren mussten, um in die Stadt zu gelangen. Da diese Bauern auch regelmässig Alkohol, welcher nur in der Stadt erlaubt war, konsumierten, fürchtete man um die Sicherheit der Brüder und verlegte das Kloster genau auf die andere Seite von Rapperswil. Diese Lage wurde früher aufgrund des schlammigen Untergrunds und den vielen Moskitos gemieden, heute aber ist sie hochbegehrt. Dies war nur eine von vielen brisanten Informationen, die Bruder Adrian Müller kundtat.

Nach der Geschichte des Franz von Assisi, welcher bei den Kapuzinern als Vorbild gilt, bereitete sich die Gruppe für eine kurze Meditation vor, wie sie tagtäglich von den Brüdern praktiziert wird. Tiefe Stille erfüllte die lebhaften Teilnehmer. Nur schon eine kurze Auszeit aus der täglichen Hektik tat allen gut. Der nächste Posten war der Speisesaal, wo die Brüder jeweils ihre Mahlzeiten einnehmen. Bruder Adrian Müller verdeutlichte, wie wichtig die Brüderlichkeit und Gemeinschaft in ihrem Orden ist, was alle tief beeindruckte. Obwohl alle Brüder nur wenig persönlichen Besitz haben, halten alle zusammen und helfen einander jeden Tag, die vielen Aufgaben zu bewältigen. Denn neben dem Unter- und Instandhalten des Klosters praktizieren viele Brüder noch Nebenbeschäftigungen, zum Beispiel als Religionslehrer. Die Gruppe verabschiedete sich von Bruder Adrian Müller und machte sich auf den kurzen Weg ins Zentrum von Rapperswil, mit grosser Vorfreude auf den bevorstehenden Pizzaplausch.

Nach angeregten Tischgesprächen, ausserordentlich guten Pizzas und mit vollen Bäuchen machte sich die Gemeinschaft später wieder auf Richtung Kloster. Dieses Mal erwartete uns der sehr junge Bruder Kletus Hutter. Er stellte uns zu Beginn die Frage, was wir wohl am ehesten mit auf eine einsame Insel mitnehmen würden. Mit Familienfotos, Briefsammlungen und Instrumenten als Antwort leitete er geschickt auf sich über, denn er ist gerade mitten im Prozess, Bruder zu werden. Auch er darf nur so viele persönliche Sachen mit ins Kloster nehmen, wie er selber tragen kann. Mit seiner offenen Art hatte er bald die Aufmerksamkeit der Jugendlichen und Leiter bei sich und erzählte verschiedene Materie aus seinem Leben: wieso er Bruder werden will, wie er das Klosterleben wahrnimmt und auch was er daran mag oder auch nicht. Diese Ehrlichkeit, die im Orden irgendwie als selbstverständlich angesehen wird, überraschte viele der Jugendlichen und konnte so die Ansicht von einem Kloster auch zum Teil sehr verändern.

Mit einer abschliessenden Fragerunde an Bruder Kletus Hutter konnten auch alle zum Teil sehr brisanten Fragen geklärt werden. Der Bruder lud uns anschliessend noch zu einer gemütlichen Kaffeerunde ein, bevor sich die Firmequipe wieder langsam auf den Heimweg machte. Voller neuer Eindrücke über die Brudergemeinschaft in Rapperswil und vielleicht schon einen Schritt näher an der Ich-Findung ging ein spannender Tag für die Gruppe zu Ende, schon gespannt, welche Highlights sie beim nächsten Zusammentreffen erwarten werden. Aline Klaus

Hier geht es auf die Homepage der Mauritiuspfarrei. Darauf gibt es auch weitere Bilder zu sehen.