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Ein letztes Gruppenbild der vier scheidenden Brüder im offenen Klostergarten am letzten Sonntag im August (von links): Bruder Josef Hangartner, Bruder Eckehard Strobl, Bruder Adjut Mathis und Bruder Kletus Hutter. Bild: Cécile Blarer Bärtsch
Ein letztes Gruppenbild der vier scheidenden Brüder im offenen Klostergarten am letzten Sonntag im August (von links): Bruder Josef Hangartner, Bruder Eckehard Strobl, Bruder Adjut Mathis und Bruder Kletus Hutter. Bild: Cécile Blarer Bärtsch

Am kommenden Sonntag heisst es im Kapuzinerkloster Rapperswil Abschied nehmen von drei älteren Mitbrüdern. Die drei werden ihren Lebensabend bei den Kapuzinern in Wil SG verbringen. Der 45-jährige Kletus Hutter,Bruder auf Zeit, wird sich auswärts auf das Noviziat vorbereiten.

«An Mariä Geburt ziehen ­Schwal­ben und Kapuziner furt», hiess es früher im Volksmund. ­Jedes Jahr um den 8. September her­um, zum Fest von Mariä ­Geburt, wenn die Schwalben ziehen, kommt für viele Kapuziner der Zeitpunkt, um die klösterliche Bleibe zu verlassen und weiterzuziehen.Dieses Jahr gilt es, gleich vier Brüder zu verabschieden. Es sind dies der 90-jährige Bruder Josef Hangartner, Bruder Adjut Ma­this (1933), Bruder Ecke­hard Strobl (1932) und Kletus Hutter, Bruder auf Zeit (1971).

Als Postbote viel unterwegs

Wer kennt ihn nicht? Bruder ­Josef, 1926, gehört zum Stadtbild von Rapperswil. Sommers und winters, bei jeder Witterung, ist der kleine, zierliche Kapuziner zweimal täglich unterwegs anzutreffen, vom Klösterli über die Hafenpromenade und den Fischmarktplatz zur Post und wieder zurück. 2001 kam der gebürtige Rheintaler vom Kapuzinerkloster Schwyz nach Rapperswil und hat hier und auch in den umliegenden Pfarreien jahrelang als Aushilfspriester Beichte gehört, Gottesdienste gefeiert und gepredigt. «Wir Kapuziner sind eben ein ­Leben lang auf Wanderschaft», meint er gelassen auf die Frage, ob der Abschied ihm schwerfalle. Er ­lebe nach dem Grundsatz, dass wir auf dieser Welt stets Pilger und Fremdlinge seien.

Der Missionar aus Indonesien

Für Bruder Adjut, 1933, den ­ehemaligen Missionspriester in Indo­nesien, kommt der Umzug von Rapperswil nach Wil nun doch etwas «schnell». Was soll er nur mitnehmen und was wegwerfen? Diese Frage scheint ihn derzeit etwas umzutreiben. Bis 1992 war der Nidwaldner Kapuziner in Indonesien tätig und musste wegen eines Verkehrsunfalls, bei dem er ein Bein verlor, in die Heimat zurückkehren. 1994 kam er nach Rapperswil zu den Kapuzinern als Ökonom. Dieses Amt führte er bis 2000 aus. Auch Bruder Adjut ist vielen Menschen hier bekannt als Seelsorger, der viel mit seinem Stock unterwegs anzutreffen war und sogar am Schlosslauf jeweils mitmachte.

Der Pförtner und Hausmann

Bruder Eckehard, 1932, der Haus­bruder, wie er sich selber nennt, ist im Klösterli «der Mann für alles». 1997 kam er aus Rom, wo er acht Jahre lang als Pfört­ner bei den Kapuzinern «im Exil» verbrachte. Heute noch liest er täglich sein Messbuch auf Italienisch. Im Kloster Rapperswil hat er zehn Jahre lang die Pforte ­bedient und die Wäsche besorgt. Bis vor kurzem ging der in Wädens­wil aufgewachsene «Seebueb» im Sommer fast täglich im See Schwimmen.

Will Kapuziner werden

Der 45-jährige Kletus Hutter aus Kriessern SG ist vor genau drei Jahren als Bruder auf Zeit nach Rap­pers­wil gekommen. Nach dem Theologiestudium war er erst als Pastoralassistent im St. Gal­ler Oberland tätig. Im Klös­terli legte er überall Hand an, wo es nötig war. So war er Pförtner und Sakristan, erledigte Putzarbeiten und war auch immer wieder in der Gottesdienstgestaltung tätig und erteilte Religionsunterricht. Auf Kletus Hutter wartet nun ein Kurzpostulat von eineinhalb Monaten bei den Kapu­zinern in Brig. Anschliessend wird er für das Noviziat nach Salzburg weiterreisen.

Und für den Herbst sind im Klös­terli bereits drei neue Mitbrüder angemeldet.
Sonntag, 11. September, 9.45 Uhr: Verabschiedung der vier Kapuzinerbrüder im Sonntagsgottesdienst in der Klosterkirche Rapperswil. (Zürichsee-Zeitung)

(Erstellt: 05.09.2016, 16:28 Uhr)