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Mitleben-Hauptplatz
Mitleben-Hauptplatz

Zürichsee-Zeitung: Rapperswil.Jona. Das Kapuzinerkloster feiert 25 Jahre «Kloster zum Mitleben». Im Laufe der Zeit haben sich sowohl Gäste als auch Kloster durch den Austausch verändert. Mit einem Fest möchte sich das Kloster für die Unterstützung bedanken.

Vor einem Vierteljahrhundert haben die Kapuziner in der Rappers­wiler Altstadt die Tore ihres Klosters geöffnet. Seitdem besteht die Möglichkeit, wochenweise mit den Brüdern und Schwestern mitzuleben. Das Angebot wird fleissig genutzt. Guardian Adrian Müller schätzt, dass in den letzten 25 Jahren etwa 2000 Gäste Zeit im Kloster verbracht haben. Darunter seien auch einige, die es immer wieder zurückziehe. So gebe es Personen, die bereits 20-mal auf Besuch gekommen seien. Offenbar decken die Kapuziner mit ihrem Angebot ein Bedürfnis ab.

Genau das war bei der Einführung das Ziel. Im Kapuzinerorden sei es die Aufgabe, die Bedürfnisse der jeweiligen Zeit zu erfüllen, erklärt Müller. In einer Zeit, in der viele Menschen auf der ­Suche seien und Religion immer mehr zum Event werde, sei das Kloster zum Mitleben ideal. «Viele­ denken sich, eine Woche Spiritualität im Jahr tut mir gut», meint Müller. Besonders im Sommer sei das Interesse gross, wohl auch wegen des schönen Klostergartens und der Nähe zum See. Teilweise müssten aus Platzmangel Personen abgewiesen werden.

Wer zum ersten Mal ins Kloster zieht, der darf höchstens für eine Woche bleiben. Die Gäste und die Klosterbewohner sollen die Chance haben, sich gegenseitig kennenzulernen. «Eine Woche überleben wir alle», sagt Müller, nicht ganz im Ernst. Trotzdem werden ganz selten auch Gäste weggeschickt, weil sie nicht in die Klostergemeinschaft passen. Das geschehe, wenn sich Personen in einer schwierigen Situation befänden, in der das Kloster nicht der richtige Ort für sie sei. Es müsse auch den Bedürfnissen der übrigen Besucher und der Klosterbewohner Sorge getragen werden, gibt Müller zu bedenken.

Mit der Zeit gehen

Seit den Anfängen des Klosters zum Mit­leben hat sich einiges geändert. So stehe heute die Selbstfindung für die Gäste stärker im Fokus, meint Müller. Daher gibt es weniger soziale Arbeitsein­sätze ausserhalb des Klosters. 1992 versuchte man noch, auf diese Art und Weise die Verankerung des Klosters in der Umgebung zu stärken. Doch dann hätten die Kapuziner gemerkt: «Wer Gäste hat, muss zu Hause sein.»Daher haben die Bewohner des Klosters auch keine bezahlten Stellen ausserhalb der Klostermauern mehr. Das wegfallende Geld wird mit höheren Kosten für die Wochenaufenthalter kom­pen­siert. «Insgesamt hat sich das Angebot professionalisiert», recht­fertigt Müller den Anstieg.

Die Gastfreundschaft der Klostergemeinde geht sogar so weit, dass die Liturgie geändert wurde. Sie war den Laien «nicht zumutbar», wie Müller sich ausdrückt: «Da wurde gerungen, es war teilweise sehr schmerzvoll.» Nach etwa zehn Jahren habe man dann eine geeignete Form des Gebets gefunden. Doch auch diese wird wohl nicht für immer Bestand ­haben. «Was wir hier haben, ist nicht für die Ewigkeit geschaffen», meint Müller. Wenn die Bedürf­nisse sich ändern, passen sich die Kapuziner an.

Aber zuerst einmal möchten sich die Brüder und Schwestern des Klosters mit einem Fest zum 25-Jahr-Jubiläum sowohl bei Gott wie auch bei allen ­irdischen Unterstützern für das bedanken, was sie haben.

Olivia Tjon-A-Meeuw

PDF der Zürichsee-Zeitung

Festgottesdienst am Sonntag,
3. September, um 9.45 Uhr, danach Apéro und Begegnungsfest.
www.klosterrapperswil.ch.