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Die Rapperswiler Geschwister mit Schwester Christine.
Die Rapperswiler Geschwister mit Schwester Christine.

Im August 2017 kam Christine Zeis, Missionarin Christi, für ein Jahr ins Kloster zum Mitleben in Rapperswil. Seither hat sie tatkräftig und engagiert mitgetan. Leider muss sie nun wegen Krankenheit einen Monat früher als erwartet nach Deutschland zurück. Hier ihr Rundbrief:

Liebe Rapperswiler Brüder und Schwestern, liebe Freundinnen und Freunde!

Schneller als gedacht ist meine Zeit im Kapuzinerkloster zum Mitleben in Rapperswil vorbei. Eigentlich hätte ich noch Zeit bis Anfang August gehabt, aber gesundheitliche Gründe zwingen mich, früher als geplant nach Deutschland zurückzukehren. Schade, dass ich die schönen Sommerwochen am See verpasse, die lauen Sommernächte, den ein oder anderen Ausflug, die angekündigten Gäste, interessante Veranstaltungen, meine Namenstagsfeier…. Der Abschied fällt mir schwer, vor allem von den vielen lieben Menschen, die ich in diesen Monaten kennen- und liebengelernt habe.

Dabei hatte ich ja schon immer wieder Abschied geübt. Denn bei den Gästen, die im Rahmen vom Kloster zum Mitleben für eine Woche da waren, war jedes Mal wieder Abschied angesagt. Viele kommen zwar wieder, aber es war klar, dass ich dann nicht mehr in Rapperswil sein würde. Aber es gehen ausserdem ja noch viele andere Menschen im Kloster ein und aus: Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, Freunde des Klosters, die Frauen und Männer vom Klosterkreis, meine Donnerstagsfrauen, unsere Pförtnerinnen, die Sonntagsleute beim Gottesdienst und Apéro…. Es ist faszinierend, wie viele liebe Menschen ich in diesem knappen Jahr kennenlernen durfte. Das ist mein kostbarster Schatz.

Yolanda Bärtschi und Schwester Christine.

Yolanda Bärtschi und Schwester Christine.

Ans Herz gewachsen sind mir meine Klosterbrüder und Klosterschwestern. Mit grosser Offenheit wurde ich von Anfang an in die Klostergemeinschaft aufgenommen. Geduldig haben sie mir alles erklärt und gezeigt und übersetzt und mich angelernt und ermutigt. Tausende von Informationen und Bräuchen und Regeln sind mir bald vertraut geworden und in Fleisch und Blut übergegangen. Wer hätte gedacht, dass ich freiheitsliebende Frau mich in eine sehr geregelte Klosterordnung einfügen kann. Und dass ich weltliebende Frau tagelang nicht aus dem Kloster herauskomme. Und dass ich frauenbewusste Frau mit so vielen Kapuzinermännern leben kann. Dass ich leitungsgewohnte Frau meinem Guardian gehorche … Ich staune, dass ich jetzt einigermassen gut Schweizerdeutsch verstehen kann (am Anfang habe ich gar nichts verstanden!). Ich bin zufrieden, dass ich Mahlzeiten für grosse und kleine Gruppen auf den Tisch bringe. Ich kenne souverän die Schweizer Münzen und Geldscheine auseinander, wenn ich die Gäste in der Pforte bewirte. Ich weiss, wie die Wäsche zusammen gelegt und versorgt werden muss und ganz automatisch kommen Geschirr und Besteck an den richtigen Platz. Ich weiss auch, wo im Garten zu welchen Jahreszeiten die Blumen zu finden sind und wo die besten Sonnenuntergangsplätze sind. Mit Spinnen habe ich mich angefreundet und mich ins Schicksal gefügt, dass geputzte Fenster nicht lange spinnwebenfrei bleiben. Ich weiss, wo die schönen Spazierwege sind (Ursula meint, ich hätte sie nicht genug genutzt) und habe eine Lieblingsbuchhandlung in Rapperswil. Ich kenne mich unterdessen (besser) mit der Schweizer Geografie aus und habe viel gesehen, bewundert, bestaunt, genossen….

Leider konnte ich längst nicht alle Ausflugstipps der Klostergemeinschaft umsetzen. Grinsend haben sie mir wieder zehn Vorschläge für meinen freien Tag gemacht. Und immer, wenn ich dann in Stress geraten bin, wurde mir eine Verlängerung meines Aufenthaltes im Kloster vorgeschlagen. Auch eine Rückmeldung….

Acht Brüder und zwei Schwestern und viele Freundinnen und Freunde habe ich bekommen und jeden und jede auf seine und ihre Weise schätzen- und liebengelernt. Ich werde euch vermissen!

Bruder Paul und Schwester Christine.

Bruder Paul und Schwester Christine.

Meine Seele hat viel Nahrung bekommen in den Gebetszeiten, die mir mit Stille und wenigen schönen Worten sehr entsprechen. Die Art und Weise, die Eucharistie zu feiern, war ein Geschenk, und die besonders gestalteten Gottesdienste wirklich besonders. Manchmal konnte ich mich in die Gestaltung einbringen und das war mir immer eine grosse Freude. Sehr berührt haben mich die Reaktionen auf meine Predigten; es ist eine grosse Freude, dass angekommen ist, was ich geben konnte. Am Anfang meiner Rapperswiler Klosterzeit habe ich mich gefragt, was ich wohl genau lernen werde für meinen Lebens- und Glaubensweg. Die Antwort formt sich jetzt. Ich bin beschenkt und bereichert, ich bin bestärkt und stärker, ich bin vertieft und freier. Ich konnte einen meiner alten Wünsche leben: Ein Jahr im „offenen Haus am See für suchende Menschen“ – und mit vielen liebenswerten Menschen, die in meinem Herzen bleiben werden.

Einige wissen, dass ich immer wieder Heimweh-Anfälle nach meiner Gemeinschaft, den Missionarinnen Christi, hatte und nach meiner vertrauten Umgebung mit den Mitschwestern. Das hat sich durchgezogen – und das ist ja ein gutes Zeichen, dass ich weiss, wo ich hingehöre und gerne lebe und sehr gerne wieder ab Herbst in meiner Aufgabe als Noviziatsleiterin wirken werde. – Und jetzt werde ich Heimweh nach Rapperswil haben, nach den Brüdern und Schwestern und allen, die dazu gehören, nach der vertraut gewordenen Umgebung dort.

Schwester Christine mit Schwestern Blumen.

Schwester Christine mit Schwestern Blumen.

Ich schaue voller Dankbarkeit zurück. Ich nehme die Erfahrungen als Geschenke mit und die Menschen in meinem Herzen. Und ich bin gestärkt für den Gesundungsweg, der vor mir liegt. Viele werden für mich beten. Ich bin dankbar dafür und brauche euer Gebet und eure Verbundenheit.

Ich freue mich aufs Wiedersehen. Vielleicht bald?

 

In Verbundenheit.                                  24. Juni 2018

Eure Schwester Christine